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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Zweifellos drängt auch Herrigel zu diesem Problem der Existenz hin. Er hat alles, was er sagt, auch „gesagt, um zur Wirklichkeit Mut zu machen". Sein Angriff gegen das prinzipielle Denken verdient Beachtung; aber auch sein Sehen, sein dynamisches Denken bleibt prinzipielles systematisches Denken, und die Relativität dieses Denkens ist noch für absolut ausgegeben. Die Gefahr bleibt bestehen, daß die Theologen heute solche dogmatische, angeblich konkrete Erkenntnis auf ihren Boden der Kirche hinübernehmen, um mit dieser Dialektik eine neue orthodoxe Lehre zu begründen und ein neues Sakrament des Wortes zu errichten. Sie würden dann nicht weniger auf ein Immanenzsystem der analogia entis sich gründen, wie Dogma und Sakrament der katholischen Kirche. Wenn aber endlich vom Boden des von Herrigel gewissenhaf t charakterisierten neuen Denkens aus zu diesen kritischen Bemerkungen und Fragen entgegnet würde, daß diese Kritik sich auch auf ein prinzipielles Denken stütze, so muß das ohne weiteres zugegeben werden. Das kritische Denken seinerseits bleibt immer an das umfassende Schema aller möglichen prinzipiellen Denkweisen gebunden, aber es hält dieses prinzipielle kritische Denken in keinem Falle für hinreichend zum positiven Aufbau einer wirklichen ethischen Welt, sondern es dient nur einer technischen „Ordnungsaufgabe". Es wird zum Zwecke einer Reinigung der humanistischen Welt benutzt, aber nicht mehr als konstitutiv überschätzt. Es hat an der spekulativen Erkenntnis jeder Schattierung einen Gegenstand seiner Kritik. Es übt, so bitter das auch sein mag, wissenschaftliche Kritik an allem „ergriffenen*4, neuen Denken, das noch glaubt, eine Grundlage für eine konkrete Erkenntnis anbieten zu können, also auch an Herrigels neuem Denken. Selbst eine „wahrhaft dialektische Theologie des neuen Denkens64 kann solchem neuen Denken naht die Rechtfertigung verleihen, weil sie selbst noch auf prinzipiell überschätztes Denken, das bald als idealistisch, bald als phänomenologisch sieh darstellt, begründet bleibt. Darin aber müssen wir Herrigel zustimmen, daß alles wahrhafte Denken auch einer wirklichen Existenz, d. h. der klärun : des wirklichen Existenzpro6/ems dienen kann, wie es dem Menschen auf dem Glaubensfelde unlösbar gestellt wird. Nur hat auf dem protestantischen Glaubensfelde keine Erkenntnis mit Begriff oder Bild ein entscheidendes Wort mehr zu sagen. Es ist das Besondere des Existenzproblems, daß in ihm allealte und 35

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