Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2823768-2823769-2823771--1018-2824104- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Phänomenologie und Ontologie des Thomismus sehr nahe. Er berührt sich im Negativen und Positiven auch sehr stark mit dem russischen Denker Leo Schestow, dessen Kampf gegen die Schlüsselgewalt des Idealismus ebenfalls alle Beachtung in Deutschland verdient. Aber auch Schestow hält letzten Endes an einem mystischen unkritischen Otft nbarungsdenken fest. Wenn Herrigel mit der endlichen wirklichen Welt nur eine andere politische Wirklichkeit oder eine andersartige wissenschaftliche Seinsgegenständlichkeit meinte, als sie der Idealismus mit seiner Begründung im Auge hat, so könnte man ihm völlig zustimmen. Aber da er ernstlich glaubt, das prinzipielle Denken der Weltanschauungen überwunden zu haben und durch „die Eingeschlossenheit in die Zeit** und durch „den Zusammenhang des Gesamtlebens" (S. 221 u. 224) mit diesem neuen Denken das Problem der Existenz und Gegenwart zu berühren, so kommt für den Rezensenten alles darauf an, ihm den Unterschied der Erkenntniswelten des Humanismus von der Sphäre der problematischen Existenz durch Abwehr aller Überheblichkeit der prinzipiellen Erkenntnis deutlich zu machen. 3 Die Gemeinschaftswelt, die mit Hilfe des dienenden Denkens sich entfaltet, gehört zu den prinzipiell erkennbaren Seinsgegenständlichkeiten der wissenschaftlichen Welt. Sie ist zwar nicht a priori aus einem Begriff abgeleitet, aber doch als ein prinzipiell begründetes Sein geschaut. Als solches bleibt es somit in dem Gesamtraum aller Entfaltungsrnöglieh- © o keiten des menschlichen Wesens und damit in der Welt des Humanismus und in ihrer Grundform, der spekulativen Zeit, eingeordnet. Die besondere Situation und ihre Gegenwärtigkeit ist also nur ein Abschnitt, ein flüchtiger Punkt der kontinuierlichen Zeit als genetische Abfolge. Wenn diese Gegenwärtigkeit als die endliche einzige Wirklichkeit begründet werden soll, so muß für sie die Beziehung zum schöpferischen Grund des Absoluten als vorgegeben angenommen sein. Der „Glaube*" hat diese Bezogenheit unberechtigterweise vorweggenommen und damit diese humanistische, d.h. im Wesen des Menschen gegründete Welt als eine von Ö ö Gott geschaffene transzendente Welt unkritisch behauptet. Ist diese Behauptung auch in der Form der Dialektik, als Frage in der Not mehr ahnend als begreifend bescheiden ausgesprochen, so darf sie uns doch nicht 33