Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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den schöpferischen entscheidenden Grund in seinen Zirkel und seine Voraussetzung einschließt. Die Transzendenz bleibt eine Immanenz, genau wie beim Idealismus. Es liegt eine Wandlung der prinzipiellen Einstellung vor. Es handelt sich also nur um ein Oppositionssystem. 2 Die Tragik aller Kämpfer gegen den Idealismus besteht nun darin, daß sie zum Kampf ein System brauchen und dieses Systemwerkzeug schließlich zum neuen tragfähigen System machen. Dieses System mag sich gläubig für zureichender halten, es mag der besonderen Welt näher kommen, aber es bleibt bis heute trotz Aristoteles und Kierkegaard die Frage ungelöst, wie diese gewonnene, besondere Welt als die einzig wirkliche endliche Welt zu rechtfertigen sei. Eine Erkenntnis, die sich dem Glauben zu diesem Zweck von vorneherein verbunden hat, vermag das Problem nur scheinbar zu lösen. Das Bündnis der Philosophie mit der Theologie muß den Verdacht der wissenschaftlichen Kritiker erregen, daß nämlich hier die Erkenntnis doch ihre Grenzen überschreitet. Als letzte Voraussetzung und Begründung enthüllt sich hier der Glaube, daß das Denken schon ein begnadetes, ein in der Existenz stehendes Denken sei. Aber ist damit nicht der entscheidende Grund zur bloßen Voraussetzung oder einem Vorhaben der Erkenntnis gemacht und der Boden einer besonnenen Erkenntnis schon verlassen? Herrigel schwebt tatsächlich eine Einigung von Philosophie und Theologie vor, wie sie frühere Zeiten, besonders das Mittelalter, schon gekannt haben und auch die Gegenwart sie kennt. Es ist aber nicht zufällig, daß Protestantismus und Katholizismus von jeher durch das Rechtfertigungsproblem vor allem getrennt waren. Ist dieser Unterschied heute aufzugeben? Hat die Wandlung zum neuen Denken vielleicht zur Folge, daß mit der ontologischen Begründung eines sehenden Denkens eine gemeinsame tragfähige Grundlage für jede Erziehung, Gemeinschaft und Politik philosophisch und theologisch zu gewinnen sei? Tatsächlich geht die Entwicklung heute unter der Führung der jüngeren Phänomenologen (Martin Heidegger) diesen Weg. Die protestantischdialektische Theologie ist noch nicht kritisch genug, um die ihr von der Seite einer Neuscholastik drohenden Gefahren zu erkennen. Auch Herrigel steht erkenntnistheoretisch prinzipiell (vielleicht unbewußt) der 32