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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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möglich, daß den Menschen jegliche Forderung an die Seele nicht ärgerlich sondern einfach unverständlich wird. - Es gibt im Bereich des dogmatischen Erkennens nicht so etwas wie einen gesicherten, unv erlierbaren Bestand. Es gibt den Ubergang des Dogmas in Institution, aber dieser Ubergang ist immer der Verlust des Eigentlich-Dogmatischen, Glaubensdinglichen. Wie die problemlos glückliche Ehe der Entbehrlichkeitsbeweis der Liebe ist, so ist die vollkommene Institution der Entbehrliehkeitsbeweis des Glaubens. Aber es ist ein Gesetz der Seele, daß sie müssen muß, um können zu können; wenn es für sie keine auüerseelische Notwendigkeit mehr gibt, dann gibt es auch keine innerseelische Möglichkeit mehr. Wo gibt es heute noch die Seele, die nicht leidet, sondern büßt, die nicht versteht, sondern glaubt? Ich glaube, daß die Frage de* Dogmadie ganz entscheidende Frage des Mensehen ist. Wenn sich von dem natürlichen Leben der Erde ausm achen ließe, daß die Typenentwricklung endgültig an ihr Ende gekommen -ei, so wäre damit der Dauer des Lebens auf Erden keine eigene Grenze unabhängig von den Existenzbedingungen auf dem Planeten gesetzt, die vorhandenen Formen, der Mensch zumal, könnten noch dauern, solange die kosmischen Bedingungen es dulden. Aber die SelbstorFenbarung der natürlichen Wirklichkeit, die das Leben darstellt, wäre grundsätzlich abgeschlossen, und damit wäre auch dem erkennenden Wesen, dem Menschen, das reale Ende seiner sinnerfüllbaren Zeit verbürgt. Dieser Gedanke läßt sich ertragen. Wenn aller Glaubensinhalt, sofern er dauert, restlos Institution ge worden ist, dann können diese Institutionen noch durch Jahrtausende hin an zahllosen Seelen das Exempel ihrer einstmaligen \\ irklichkeitsoflenbarung statuieren, die aktuelle Oifenbarung der übernatürlichen Wirklichkeit ist abgeschlossen. Ist dieser Gedanke diskutabel? Ist er vor der Geistesgeschichte, vor dem Lebensgleichnis, vor der Gotte-idee ohne Widerspruch zu denken? Ich glaube doch, ich glaube sogar, er ist notwendig, die Möglichkeit, die er konstatiert, gehört zum Gedanken einer Offenbarung in der Zeit, wie der Zweifel zum Glauben gehört. Der Idee Gottes nimmt es nichts, wenn der Gottestag des Menschen sein eigene- 7 c ~ Ende hat. Das natürliche Leben zeigt uns persistente Formen durch alle überblickbare Zeit hin. Die Geistescesehichte - eine Zeit, wo Soziologie C7 ' an Stelle der Philosophie, Psychologie an Stelle der Metaphysik tritt, ist

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