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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
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türliche im Gestaltwandel des geschöpflichen Lebens offenbart, und für Religionen wie Einzelseelen gibt es so etwas wie ein biogenetisches Grundgesetz, wie eine Wiederholung der voraufgegangenen Formen im Entwicklungsgange der späteren. Das Dogma ist grundsätzlich unfertig, gleichwie das Leben als Formentotalität grundsätzlich nie fertig ist, aber jedes einzelne Dogma und jede einzelne Lebensformung ist ebenso grundsätzlich in sich vollendet, ihr Seinkönnen ist immer ein "Nichtandersseinkönnen. Die solcherart aus dem Lebensgleichnis gewonnene Anschauung vom Dogma läßt den Versuch, ein in sich geschlossenes endgültiges System von Dogmen zu erweisen, fehlsam erscheinen, es kann danach nicht die endgültig formvollendete absolute Religion geben. VI ie die einzelnen Lebensformen nicht aus „dem Leben" verständlich sind, sondern die physische Naturwirklichkeit bewähren, in der sie ihr Dasein haben, so ist die Gesamtheit und alle einzelnen Dogmen nicht aus einem Punkte, einem Wesen des Glaubens oder so verständlich, sondern auch sie müssen eine Wirklichkeit bewähren, ohne die sie, ohne die Glaube unmöglich wäre. Unsere Möglichkeit, die Natur zu erkennen, ist nur die andere Seite der Wahrheit, daß wir unter ihren Gesetzen leben müssen. Ebenso ist unsere Möglichkeit, zu glauben, die göttliche Wirklichkeit zu erfahren, nur die andere Seite der Wahrheit, daß wir unter den Gesetzen des göttlichen Seins, das heißt unter dem Willen Gottes, leben müssen. Die Tatsache des Dogmas, der Offenbarung einer übernatürlichen Wirklichkeit, ist das wahrhafte Wunder, es offenbart eine übernatürliche Wirklichkeit in der Selbstvollendung eines natürlichen Lebens. Die Möglichkeit der gläubigen Seele, der Heilsgeschichte des einzelnen Menschen kann ja aus dem Lebensgleichnis nicht unmittelbar und zwingend erschlossen werden. Auch die Geschaffenheit der Welt, die Gesehöpflichkeit des Lebens ist allein in der Tatsache der gläubigen Seele offenbart, sie ist nicht aus irgendwelchen Eigengesetzen des Lebens zu folgen. Die Welt könnte wirklich gottfrei, das Leben nur natürlich, der Mensch autonom sein. Einzig dann, wenn die geglaubte, dogmatisch aussprechbare Ubernatur die Selbstvollendung der Seele nur innerhalb des natürlichen Daseins ermöglicht oder doch als möglich hinstellt, d. h. fordert, einzig dann offenbart sich der Gott der gläubigen Seele nicht nur als ihr Gott, sondern auch als der Schöpfer der Welt. Und nur dann kann es das Dogma 25

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