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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Lebensformen aus den Wesensgesetzen des Lebens abzuleiten, so wenig ist der Versuch erfolggebend, aus der Artung der menschlichen Seele die Gestaltungen des Geistes zu erschließen, das Dogma ist keine Schöpfung der menschlichen Seele. - Gibt es dann aber überhaupt ein Denken über das Dogma? Ist es möglich, durch Gedankenarbeit die einzelnen Dogmen oder gar ein ganzes Dogmensystem zu begreifen? Die Antwort erhalten wir wiederum aus dem Denken über das Leben. Die Untersuchung des geschöpfliehen Lebens lehrt uns zweierlei: einmal erkennen wir die stoffliche Grundlage, die eine individuelle Lebenswirklichkeit allgemein ermöglicht, und zweitens können wir im einzelnen ermitteln, welche auswählende Bedeutung das bereits individuell realisierte Leben für den Bereich des noch möglichen hat. Die erstere Problematik ergibt uns eine Bestimmung dessen, was wir den Wirklichkeitsort des Lebens nennen wollen, die zweite macht uns die Wirklichkeitszeit des Lebens anschaubar, sie läßt uns die Formwirklichkeit des Lebens verstehen, nicht als die der Gesamtpotentialität nach einzig mögliche, wohl aber so, daß wir die einschränkende Bedeutung des Schonverwirklichten gegenüber dem Nochmöglichen erkennen. Das Leben als reine Tatsache im Reiche der Natur ist heute nicht anders als an seinem ersten Tag, aber in dieser reinen Wesenstatsächlichkeit des Lebens war von Anbeginn enthalten, daß seine aktuelle Wirklichkeit heute anders ist als gestern und morgen anders als heute. Welche Wesensbestimmung des Lebens man aber auch gelten lassen mag, man wird nicht dazu kommen, die entwicklungsgeschichtlich späteren Lebensformen als „lebendiger64, als erfülltere Lebenswirklichkeit anzusehen. Gewiß ist die Geschichte des Lebens kein sinnfremdes Nacheinander, gewiß bezeichnet die wachsende Dienstbarkeit aller Naturwirklichkeit unter das Leben den Gang dieser Geschichte. Aber minder „lebendig66 war darum das Leben früherer Epochen nicht, die Zunahme an Vollkommenheit, an Wirklichkeitsmacht ist kein gradueller Anstieg einer Lebenstemperatur, bei dem die erreichte Höhe das Maß einer aktuellen Intensität wäre, vergleichbar dem Steigen der Thermometersäule auf die wachsende Glut hin. Wohl aber bestimmt das Tempo dieser Zunahme an Vollkommenheit den Intensitätsgrad der Lebendigkeit, nicht weil es Vollkommenheit, sondern weil es Zunahme ist. Die Kurve des Herrschaftsanstieges über die Welt, Welt in Natur und Geist, 18

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