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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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etwas, das seine Wirklichkeit im Bereiche des Menschenmöglichen auswählend aktualisiert. Auf die Erkenntnis gewendet bedeutet diese Ansicht«, daß es keine andre Erkenntnis der Wahrheit gibt als in der gelebten Bestimmung des Menschen zur Wahrheit. Der Mensch ist nicht nur zur Wahrheit bestimmt, er ist durch die Wahrheit bestimmt, wenn jede Aussage, die er über die Wirklichkeit macht, den Aussagenden ihm selbst als einzig in dieser Wirklichkeit erfüllbare und mit der Erkenntnis im Grunde erfüllte Verheißung offenbar macht. Noch einmal, Bestimmung ist nicht Bindung unter ein Gesetz, sondern Begabung mit der Möglichkeit einer richtigen Entscheidung. „Richtig'* - das bezeichnet uns die Einheit von Bestimmung und Schicksal oder von Selbstbewußtsein und Welterkenntnis, es besagt, daß es eine mögliche Form des Lebens gibt, in dem der Herzschlag des Menschen und der Sekundenzeiger der Weltuhr synchron gehen, in dem die Seele die bereite Wirklichkeit und die Wirklichkeit die willige Seele findet. o Wenn die Geschichte der einzelnen Seele solcherart die irklichkeit bewähren kann und wenn die Bestimmung des Menschen sich demnach als erfüllte Verheißung offenbart, was bedeutet es dann, daß es das Dogma gibt, geistige Gestalt also, in der einmal Seelengeschichte Form annahm und die als Gestaltungsforderung vor jeder künftigen Seelengeschichte stehengeblieben ist? Denn es ist ja nicht so, daß die Seele an dem Dogma vorbeigehen könne. Es ist auch nicht so, daß sie unter „,den" Dogmen eine Auswahl treffen könne, dieses annehmen, jenes ablehnen. Wenn überhaupt Dogma eine geistige Wirklichkeit ist, so stellt es die Bewährungsforderung an jede Seele, so ist die „richtige44 Selbsterfüllung der Seele auch an die Bewährung dieser Wirklichkeit gebunden, nicht obgleich, sondern weil es eine Zeit gab, wo dieses Dogma noch nicht galt, noch nicht aussprechbar war. Die Seele kann so wenig zwischen den Dogmen wählen, wie das Leben die Wahl hat, ob es in einer Pflanze, einem Insekt oder einem Menschen geschehen will. Es ist mit der Tatsache de* Lebens nur gesetzt, daß irgendeine unter den zahllosen Formwirklichkeiten des Lebens bewährt werden muß, nicht aber welche dieses sei. Ebenso kann die Seele nicht anders als irgendeine erglaubbare Wirklichkeit in ihrer Selbstdarstellung zu bewähren, nicht aber ist sie wesensgemäß für eine bestimmte Auswahl festgelegt. So wenig es also angeht, die wirklichen IT

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