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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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der Volkslehrer. Die „Schulbibel" ist und bleibt die Bibel des katholischen Volkes. Die meisten Katholiken, die ich kenne, haben noch nie die „große Bibel" in der Hand gehabt. Sie sehnen sich auch nicht danach, denn sie denken, daß alles Wesentliche der „großen Bibel" auch in der Schulbibel stehe und daß in dieser nur ein paar unnötige und ein paar „unanständige" Geschichten fehlen. In dieser Bibel, die auf die Glaubensvorstellungen des deutschen Volkes einen größeren Einfluß hat als die „große Bibel", ist es dem Geiste gelungen, sich vorzudatieren und - was ihm vielleicht noch wichtiger ist - sich in die Reihe der geschaffenen Dinge einzudrängen. Was ihm vielleicht das Wichtigste! Denn nach seinem Ursprung kommt ihm kein Platz in dieser Reihe zu: Er ist nicht Geschöpf; er ist „Ausgang" vom Geschöpf, wie der Geist Gottes nicht Vater ist und nicht Sohn, sondern Ausgang vom Vater und dem Sohne; er gehört in die dritte Reihe; nicht in die erste Reihe, in die Reihe der Zeugung, in der die „Söhne Gottes", die „Kinder Gottes", die aus dem Glauben Lebenden stehen; nicht in die zweite Reihe, die Reihe der Schöpfung, in der Himmel und Erde und die Kinder der Natur stehen; sondern in die dritte Reihe, die Reihe des Ausgangs. Ich glaube nun nicht, daß diese Verfälschung der Bibel der Anfang des großen Unglücks gewesen ist, daß sich in der Kirche der Geist vor den Glauben gedrängt und die Schlüssel des Himmelreiches an sich gerissen hat; daß jetzt auf einmal die „Gesellschaft" vor der Gemeinschaft, das fertige Geistesfabrikat der Verfassung vor dem lebendigen, gläubigen Fleisch und Blut steht, so daß die Verfassung uns zur Fessel geworden ist. Aber ein Teil des ganzen Spiels ist jenes Vorkommnis in der Bibel doch. Es ist das Zipfelchen des Gewandes, an dem wir den heuchlerischen Vordringling rasch noch erfassen können. Und ach, er tut so sehr unschuldig! Das Kapitel spricht ganz dieselbe Sprache wie die echten Kapitel aus der großen Bibel. Jeder Leser, der die große Bibel nicht genau kennt, muß denken, daß dieses Kapitel auch in der großen Bibel stehe, und zwar, was hier das wichtigste ist, am selben Platz! Und er tut so verlegen! Als ob es eben nicht gut anders gegangen wäre! Das Kapitel stände ja inhaltlich auch in der großen Bibel, wenn auch nicht gerade an dieser vorderen Stelle. Wo sollte es denn auch anders stehen in einer solchen Schulbibel? Und die Menschen seien doch einmal minder als die 8

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