Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Erst im allerletzten Buche der Heiligen Schrift, erst nachdem die Geschichte der Menschen bis in die allerletzten Zeiten beurkundet ist, steht etwas von der Geschichte der Geister in der Form von Geschichte: „Es erhob sich ein großer Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt samt seinen Engeln; aber sie siegten nicht, und ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward hinabgeworfen jener große Drache, die alte Schlange, die genannt wird Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt: er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen." Kein Wort aber von „Erschaffung" der streitenden Geistesmächte! Um den Streit der Geistesmächte war ein uraltes Wissen in der Menschheit. Jobs Freund, der Themaniter Eliphaz, weiß darum. Isaias, der Prophet, ruft aus: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du Morgenstern, der du früh aufgingst! Wie bist du zur Erde gestürzt, der du die Völker schlugest! Der du sprachst in deinem Herzen: Zum Himmel werde ich aufsteigen, über die Sterne Gottes setzen meinen Thron, auf dem Berg des Bundes wohnen gen Mitternacht; ich steige auf der Wolken Höhen; dem Höchsten will ich gleich sein! Ja - zur Hölle fährst du hinab, zur tiefen Grube!" Kein Wort von „Erschaffung", aber ein Wort vom Vordrängen an die erste Stelle! Daß solches Vordrängen ganz unmerklich geschieht, mit ganz leisen, ganz kleinen Schritten, ganz sachtem Ellbogendruck, das haben wir in der Zeit der Not erfahren. Wir haben aber auch damals das Aufpassen gelernt; wir sahen schon den Gedanken und die allererste Absicht. Ist es nicht seltsam, daß sich in die katholische Schulbibel gleich am Anfang ein Kapitel über die Erschaffung und den Fall der Engel eingeschlichen hat? Es handelt sich zwar nur um eine Kinderbibel, aber in anderer Form lernen die allermeisten Katholiken die Bibel, oder wenigstens das Alte Testament, nicht kennen. Es ist nicht wahr, daß den Katholiken das Bibellesen ganz und gar verboten sei. Es wird nur verlangt, daß sie Bibelausgaben mit kirchlich approbierten Anmerkungen zum Lesen benutzen. Aber gerade diese kirchlich approbierten Ausgaben, besonders der alttestamentlichen Bibel, sind so teuer, daß sie sich schier in keinem katholischen Privathause finden, nicht einmal in den Häusern