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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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können - daß die „unsichtbare Welt" vor der „sichtbaren Welt", der Geist vor dem Leib, die Engel samt den einst zu ihnen gehörigen Teufeln vor den Menschen geschaffen worden sind. Ich will hier keine kirchenpolitische und keine staatspolitische Abhandlung schreiben; will nicht einmal behaupten, daß meine Beobachtungen an Kirche und Staat richtig seien; will nur sagen, daß es mir so ist wie damals, als wir noch in langen Reihen vor den Eisenbahnschaltern und vor den Lebensmittelgeschäften standen und verdammt aufpaßten, daß sich nicht etwa einer listig vordränge. Im übrigen will ich nur eine kleine Studie zur Bibel schreiben, und zwar gerade zu dem Kapitel von der Kreatur. Auch die Bibel beginnt mit der allernotwendigsten Antwort, mit der Antwort auf die Frage: „Wer ist der Erste?" Denn der Erste ist der Fürst, und wer zuerst kommt, der mahlt zuerst! Und sie spricht: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde". Und sie spricht, im Neuen Testamente von neuem anhebend: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Durch das Wort ist alles geschaffen worden." Unmittelbar nach dem ersten Anhub erzählt die Bibel von dem ursprünglichen Zustand der geschaffenen Erde, von Finsternis und Wassergischt, von der Hervorrufung des Tages aus der Finsternis der Nacht, von der Scheidung der Gewässer, von allem, was vor dem Menschen kommen mußte, damit er leben, wachsen und herrschen könne, und endlich von der Erschaffung des Menschen. Kein Wort aber von der Erschaffung geistiger Mächte! Geistige Mächte tauchten erst auf, als sich der Mensch umsah und erkannte, daß keines der geschaffenen Tiere ihm Hilfe und Gefährte sein könne, und als er nach der Erschaffung des Weibes ausrief: „Diesmal ist sie es! Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch!" Bald erhob sich auch aus der Tierwelt Geist. Nichts also steht in der Bibel von einem Schöpfungsakt, in dem der Geist oder die Geister geschafjeji worden wären, und schon gar nichts davon, daß die geistige Welt vor der körperlichen Welt geschaffen worden wäre und die körperliche Welt beherrschen sollte. Der Geist ist weder Geschöpf noch Erzeugnis, sondern, wie schon uralte Theologie vom Geiste Gottes lehrt, „Ausgang". Wir reden von „geschaffenen Geistern", können damit aber nur die Geister der geschaffenen Dinge meinen, im Unterschied von dem Geiste, der von Gott ausgeht. 6

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