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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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stus und die Gemeinschaft der Christgläubigen? Zwischen Christus und die Kirche, von der ich im Katechismus gelernt habe, sie sei die Gemeinschaft aller Christgläubigen auf Erden unter einem gemeinsamen Oberhaupte, dem Bischof von Rom, und den mit ihm verbundenen Bischöfen? Krebs nennt das Ding „Gesellschaft" und sagt, daß diese erst die Gemeinschaft zusammenkriegt. Ist diese „Gesellschaft"* Fleisch und Blut? Nein, Krebs sagt, daß sie erst „die Menge der ungläubigen Menschen**, also Fleisch und Blut, an sich zieht und eingliedert in den Leib Christi. Also ist sie nicht selbst Fleisch und Blut, sondern ein rein geistiges Ding, eine geistige Konstruktion mit den Fähigkeiten eines Täters, eines Eingliederers, eines Vermittlers, sicher nicht identisch mit Christus, sondern von Christus „gestiftet", ausgedacht, eingesetzt, oder sieh wenigstens dafür ausgebend. Weil ich dieses geistige Ding nicht anerkenne oder wenigstens ihm den ersten Platz bestreite, auf den es sich listig vorgeschoben, hat mich der kirchliche Geist verwiesen. „Der Erste ist der Fürst." Ist die ^Gesellschaft" vor der Gemeinschaft, dann kann die Gesellschaft die Gemeinschaft beherrschen und tyrannisieren. Anders, wenn die Gemeinschaft das Erste ist, die Gesellschaft aber nur eine Ordnung ihres Lebens und ihrer Macht: Geist, der von der Gemeinschaft ausgeht, nicht aber Geist, der sie wie eine von ihm Abhängige beherrscht. Ahnliche Vorgänge lassen sich auch außerhalb des kirchliehen Gebietes beobachten. Wer ist der Erste, Staat oder Volk? Der König spricht: „Ich bin der erste Diener des Staates"4. Er ist aber Fürst des l olkes und reißt mit solchem Wort sein ganzes Volk in die Dienerstellung dem Staate gegenüber; er macht einen total geistigen Apparat zum Götzen des Volkes. Und doch ist es ganz offenbar, daß das Volk zuerst da war. Nun aber hat sich der Staat vorgedrängt. Man findet in der Geschichte noch die Spuren seiner Listen, mit denen ihm dies gelang. Jeder von uns weiß, wie sehr er selbst und wie sehr das Volk leidet unter diesem Bruch der hierarchischen Ordnung der Dinge. Aber die meisten von uns halten es für selbstverständlich, daß der Staat vor dem Volke steht; daß er immer „zuerst drankommt44, auch wenn das Volk manchmal gar nicht mehr drankommt. Allzulange sind wir belehrt worden - nicht vom Glauben und Leben, sondern eben gerade von dem Geiste, der im Verdacht steht, sich vorgedrängt zu haben, um Fürst zu sein und zuerst mahlen zu

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