Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kösel und Pustet, München 1928, Seite 239 - „hat den heutigen Menschen . . . daran gewöhnt, Gemeinschaft und Gesellschaft mit anderen Augen anzusehen, als es hier in der Kirche geltend ist. Wir kennen Gesellschaften ohne jede Gemeinschaft des Geistes, z. B. die Aktiengesellschaften. Wir kennen Gemeinschaften ohne jede gesellschaftliche Form, z. B. irgendeinen Freundeskreis (Wirklich? Ich war noch nie in einem Freundeskreise, der ..ohne jede gesellschaftliche Form46 gewesen wäre!). Und wir kennen Gemeinschaften, die sich ihre gesellschaftliche Form schaffen, um ihre vorher bestehende Gemeinschaft zu sichern und zu bewahren. So entstanden die Vergesellschaftungen der Jugendbewegung, die ursprünglich nur Gemeinschaft war. Darum ist es dem vom gesellschaftlichen Liberalismus kommenden heutigen Menschen schwer, eine Gesellschaft anzuerkennen, die vor der Gemeinschaft ist, weil sie, autoritativ^ von Gott gegründet, überhaupt erst den Geist der Gemeinschaft in die Glieder dieser Gesellschaft eingießen und sie so zum ,Volk Gottesc machen soll. Erfüllt von den aus den natürlichen Gemeinschaften und Gesellschaften gewonnenen Ideen, treten heute viele an die Betrachtung der Kirche heran und sehen das Göttliche nur in dem gemeinschaftbildenden Geist, während ihnen die gesellschaftbildenden Mächte immer nur als notwendiges Übel erscheinen, nicht als etwas Göttliches selbst. Und doch ist die erste Aufgabe, die Christus auf Erden erfüllt sehen will, die Darstellung des Reiches Gottes, der Königsherrschaft Gottes über die Seelen . . Ich dachte immer, die ..erste Aufgabe" Christi auf Erden sei gewesen, sein Volk zu erlösen von seinen Sünden und der Heiland der Welt zu sein, nicht aber, Herrschaften und Ämter zu begründen, die vor allem wieder die Aufgabe haben, Herrschaften zu befestigen. Aber darauf kommt es hier nicht an, während es mir sonst sehr darauf ankommt, ob Christus wegen des Herrschaftsbedürfnisses Gottes oder wegen der Heilsbedürftigkeit der Menschen auf Erden erschienen ist. Oder aber, es kommt auch hier darauf an, was das Erste war und ob nicht auch hier der erste Platz von etwelchem Ding erschlichen worden ist, was erst an zweiter oder dritter Stelle oder überhaupt gar nicht „drankommen" darf. Denn auf der hierarchischen Ordnung der Dinge beruht das Heil der Welt. Was ist das aber für ein Ding, das sich da in den Worten des Professors Engelbert Krebs vorschiebt? Was sich da einschiebt zwischen Chri- 4