Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2823768-2823769-2823771--0988-2824074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

so wie ihr Bild heute ist, so ist sie geschaffen aus der Erststellung der römischen Bischöfe unter allen Bischöfen der Welt; so ist ihre Einheit und so ihre Zerrissenheit geschaffen worden. Aber auch das Schicksal der Kirche, das gegenwärtige Bild dieser Schöpfung, die immer noch die weithin sichtbare „.Stadt auf dem Berge" ist, mag vielen, zu denen ich hier reden möchte, nicht aufregender sein als irgendein Gelehrtenstreit. Um ihre Augen zu öffnen, muß ich ihnen zeigen, daß ihr eigenes Leben eine Antwort auf die Frage nach dem Primat der Lebensmächte ist. Sind die Grundsätze, nach denen sie leben und denen sie anbetend gehorchen, schier wie Götzendiener ihrem Götzen, das Erste und infolgedessen das Bestimmende und eiterschaffende, oder ist etwas anderes das Erste, aus dem jene Grundsätze erst nachträglich formuliert und zu Lebensmächten erhoben werden? Ist Fleisch und Blut das Erste, oder ist es der Geist? Ist der Glaube das Erste oder der Geist der Gläubigen? Das Leben oder der Geist der Lebenden? Mein eigenes Leben ist, wie ich jetzt aus Gegnermunde erfahren mußte, gestaltet von einer solchen Frage her. Ich hatte mir die Kirche, in der ich lebte, dargestellt als eine Auswirkung und Selbstverwirklichung der christlichen Seele. Aus dem neuen, in die Menschheit eingedrungenen Gottesleben, aus gläubig gewordenem Fleisch und Blut sah ich die kirchliche Gemeinschaft werden, sah sie aus Jesus herauswachsen wie Reben aus dem Weinstock, sah sie Formen und Ämter bilden aus den innersten Kräften ihres Lebens heraus, wahrhaft aus Gott heraus, in dem sie lebte. Ich konnte auch in keiner anderen als in einer also gewordenen Kirche leben. Da sah ich mich auf einmal ausgeschieden aus der katholischen Kirche. Denn nicht so sei sie geworden, sagte mir einer ihrer Theologen. Ganz anders sei ihre soziologische Struktur. Zuerst sei gewesen die von Christus gestiftete und mit drei großen Ämtern ausgestattete Gesellschaft in höchster Vollkommenheit, die „Societas perfecta". Diese erst habe dann „die Menge der ungläubigen Menschen nach und nach eingegliedert in den Leib Christi und ihr dadurch die gemeinschaftsbildenden Gnaden © und Offenbarungswahrheiten vermittelt.44 ,,Der gesellschaftliche Liberalismus unserer Tage", so fährt der Sprecher fort - es ist der Freiburger Professor Engelbert Krebs in seiner Ö c> Schrift über meinen „Weg aus der kirchlichen Gemeinschaft*-, bei 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.