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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JOSEPH WITTIG „ERSCHAFFUNG UND FALL DER ENGEL- ..Der Erste ist der Fürst" und „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Mögen auch die Fragen nach Primat und Priorität noch so sehr rein wissenschaftliche Fragen geworden sein, Gelehrtenstreit, dem wir mitten im blühenden und fruchtbaren Leben kaum das Läpplein unseres Ohres zuwenden mögen, so springen sie doch immer wieder urkräftig aus dem Leben selbst empor, verwirren das Leben, zerren es in Kampf und Streit und tiefes Leiden. Sie werden, wie man sagt, „von eminent praktischer Bedeutung". Als wir noch in endlos langen, schlangenähnlichen Reihen vor den Schaltern der Eisenbahn standen, um noch zur rechten Zeit eine Fahrkarte zu bekommen, oder vor den Türen der Lebensmittelgeschäfte, um noch ein Stücklein Fleisch oder Butter zu erwischen, da haben wir es erfahren, was es heißt, der Erste oder wenigstens der Frühere zu sein. Da haben wir auch alle Listen kennengelernt, mit denen der Mensch und seine Not unauffällig, aber doch erfolgreich, den Platz des Ersten oder des Früheren zu erschleichen versucht. Auch alle Gewalt. Auch alle Wut derer, die um den Platz des Ersten oder des Früheren gebracht wurden. Freilich auch alle Geduld und Gehaltenheit derer, die ihre Fahrkarte oder ihr bißchen Nahrung nicht von den Zufälligkeiten der augenblicklichen Ordnung, sondern von einer fürsorglichen Schicksalsmacht gläubig erhofften. Aber auch diese kamen möglichst als Erste, möglichst unter den Ersten. Sie wurden so geweckt und so geführt, daß sie unter den Ersten waren, sei es, daß plötzlich ein anderer Schalter oder eine andere Tür aufging, wo die Letzten die Ersten sein konnten, sei es durch irgendein anderes von den unerschöpflichen Mitteln jener fürsorglichen Macht. Der Erste sein, das ist vielleicht nie Zufall. Das ist Schöpfung. Es wird darin erschaffen die ganze Geschichte des Ersten, seines Lebens, seines Volkes, seiner Kirche. Qualis rex, talis grex - „Wie der König, so das Volk". Der Primat des römischen Bischofs hat das ganze gegenwärtige Bild der katholischen Kirche geschaffen, ihre machtvolle Einheit, ihre Ohnmacht und Zerrissenheit. Es kommt hier nicht darauf an, ob die Kirche zu Unvergänglichkeit oder als eine vergängliche Gestalt geschaffen ist. So wie sie geschaffen ist, so wie sie als Schöpfung vor uns steht, o

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