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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
Belongs to
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Mit diesem Glaubensrückzug und dieser Umwechselung des Glaubenscharakters ihrer Anhänger zerbrach die Kirche aber die Arbeitsamkeit, die sie aus der Fülle ihres alten Glaubens abgeleitet: die Begeisterung für den Aufbau einer Menschheit Gotte entgegen. Der Staatskirchenpakt schließt sich als Seelenverschleiß. Weder hält das Christentum die Pyramide auf die Spitze gestellt noch den Versuch seiner Kirche durch, sie wieder auf die Basis zu stellen: zu einer Strebigkeit der Menschheit Gotte entgegen. Es läßt sie fallen und ebnet die zerbrochene ein. Es plattet die Architektur der Menschlichkeit ab und tötet ihre lebendige Struktur: macht sie amorph. Durch das, was es gibt, wie durch das, was es nimmt. Nicht nur seine Verabschiedung des Glaubens an die Seligkeit, der Wiederkunft seines Herrn und an die Weltmission der Kirche verabschiedete die Schöpferseligkeit jener arbeitendsten Christen, die ihre Seele hingaben für eine vollkommene Gottmenschheit. Der Glaube selbst trieb gläubige Hingabe aus: entseelte die Arbeit im Maß seiner Entseelung. Nicht Selbstentäußerung der Seele in ihre Arbeit gläubte er ein, sondern Selbstverleugnung und -Überwindung zu ihr fremder Arbeit. Er formalisierte die Arbeit, die er befahl; denn sein Befehl schuf zu ihrem Inhalte keine seelische Beziehimg. Weil der Glaube selbst formalisiert war, ein Glaube lediglich an göttliche Befehlsmacht, nicht an den Inhalt des Befehls. Ein Glaube der Kirche letztlieh an sich selbst. Egoistisch - in dem Sinn: an nichts Höheres als sich. Denn die Verbindung mit dem monodeistischen Gott war nur notgeleimt; das Selbstvertrauen der Kirche war nicht erwachsen aus dem angenommenen Glauben an ihn, den abstrakten Schemen eines Religions-Rests, sondern aus dem abgelegten an den ganz anderen Gott, der voll lebendiger Kraft sich offenbaren wollte und, bis er leibhaft erschienen mit seinem Reich, die Anstalt der Kirche eingesetzt hatte als Rahmen, ihn zu empfangen, und als seine Vertretung: auch nach Auswechselung des Bildes fühlte der Rahmen sich als Vertreter der Offenbarung - jetzt einer Offenbarimg ohne Inhalt, ohne Gott. Dieser nacktbefehlende Glaube setzte aus sich heraus den nackten Glaubens-Gehorsam und da er ihm als Inhalt die Arbeit befahl, war es nackte Arbeit. Der Glaube an die Arbeitspflicht als solche entstammt hier. Nicht stark genug kann ich betonen: hier haben wir die letzte Lüge ertappt, die noch unser heutiges Leben verfälscht und es zersetzt in die 54

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