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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
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licht war er rohe Zwangsmacht geworden. Und zwang seine Einwohner in Arbeit und in die Kirche. Besiedelte polizeilich die verlassenen Ländereien mit Hörigen, die er an die Scholle festband; besetzte ähnlich mit Zwangsarbeitern alle Wirtschaftsgebiete: die ständische Gebundenheit des Mittelalters hebt an. Aber was stand hinter seinem Zwang? Was gab Arbeits-Fleiß? Daß die Kirche Macht hatte, Fleiß als ein Gottes-Gebot zu predigen! In diesem Hauptstück unterschied sich ihr Mono-Deismus von dem des Staats: er war praktisch verwertbar, weil dieser Gott in der Kirche dem Glauben eine Anstalt geschaffen, die als sein Werkzeug mit Autorität in seinem Namen zu befehlen hatte. Darauf, und daß dieser göttliche Kirchen-Befehl laute: arbeite! arbeite gehorsam auch die nötige Staats- und Kultur-Arbeit weiter! die Kriegsarbeit zumal: die dringendste und, weil heiligst gewesene - die Verteidigung des Vaterlands war die des Vatergrabs! - der Neuheiligung dringendst bedürftige; um die Reichsgrenzen wenigstens einigermaßen halten zu können, - darauf kam es dem Staat an. Das leistete ihm die Kirche für den Gegendienst, mit seiner Zwangs- und Kriegsmacht auch ihr den Bestand zu wahren und aufzufüllen. Ihr die ganze Bevölkerimg des Reichs, auch die gleichgültige, zuzutreiben, seine Christenverfolgungen umzuwandeln in Verfolgungen der Gegenreligionen, Häresien und Ungläubigkeit, und mit den Reichsgrenzen die der Kirche zu schützen. Denn auch die Universalität streifte die Kirche ab: noch katholisch dem Namen nach begrenzte sie sich zu einer anatolischen, einer römischen, und gab mit der Hoffnung des himmelsweiten Weltreichs ihres Gottes die Liebe auch zur Menschheit dahin: die Idee der Menschheit: einer Menschheits-Vereinigung, der alle Religion, die auf einen Gott zielte, noch zugezielt hatte; gab die Christen außerhalb der Reichsgrenzen preis, außerhalb der asiatischen, an die Konkurrenz- Religionen : ja mochte der Manichäismus diese Völker verderben! Mochten zu ihm überlaufen auch aus dem Römerreich die leibesmüden Asketen - wie die letzten Neuplatoniker das denn versucht! Im Reich aber hatte ihnen und den Arbeitsmüden des urchristlichen Glaubens-Unglaubens der Staat die Flucht aus der Arbeits anstatt der umgewandelten Kirche zu verlegen: die Einsiedler werden in Klöster und Regeln gesteckt und diese der Aufsicht der Kirchenbeamten unterstellt, wenn auch mit eben derselben Devotion, mit der man den Christus kalt gestellt hatte. Die Schwärmer jedoch für baldiges Kommen des Christus werden als gefährliche Ketzer verfolgt. 53

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