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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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Verwaltungsgeschäft, die Weltarbeit wird des Glaubens enthoben, zu einer Bedienung von Gottheit zu geschehn. Arbeit erhält nur noch ein menschliches Ziel. Der Staat behält von seinem Glauben praktisch nur den Mono-Deismus, das kahle Bewußtsein, daß es ein Gottwesen gibt, etwas Höheres als die Welt, für die alle Arbeit geschieht. Neben dem für Gefühlige und für die Massen als Rest des Pantheismus eine ziellose Mystik und des Polytheismus ein harmloser Heiligenkult zur Ersetzung verstattet wird - ohne Einfluß auf den Gang des entscheidenden Handelns. Und obwohl der Weihrauch der Cäsareopapie die nüchterne Rationalisierung des Staats und Staatsglaubens noch mit einer Nachart von göttlichem Nimbus verschleiert. Praktisch auf denselben Mono-Deismus verkürzt auch die Kirche ihren Glauben: auch sie verweltlicht sich; wie der Staat seinen Kult streift sie das Gottesreich der Hoffnung von sich. Sie dankt damit den Glauben der Urkirche ab, sie dankt Christus selber ab: entzieht ihm seine Mission: indem sie seine Wiederkunft mit der Seligkeit der Himmels-Herrschaft auf unabsehbare Zeit vertagt, ja als Jüngstes Gericht nur noch mit Schrecken erwähnt. Man verbannt ihn in den Himmel, mit höchsten Ehren: man bewilligt ihm den Gott-Titel!, aber in die Verwaltung der Erdenkirche greift er nicht mehr ein; da regiert der heilige Geist - kaiser-kirchlicher Konzilien. Pompös wird, noch mehr als auf seiten des Staats, die Nacktheit dieses allgemeinen Himmelsgottglaubens sinnlich, gedanklich und gefühlig überhüllt: mit Hierarchie, mit trinitarischen Dogmen und mit einem Nachgefühl der Erlöstheit, dessen Anknüpfung an das altchristliche Vorgefühl der prinzipiellen innerlichen Erlöstheit wegtäuscht über den Wegfall der praktisch-leiblichen Erlösung mit einer Wärme und einem Erfolg, die sich keineswegs dem Scheinerfolg verdanken, daß eine Erlösung nicht von der Arbeitsfron, sondern nur von ihrem einstigen Grund stattgefunden hat, von dem Götterkultglauben, die vielmehr mit Wahrheit sich begründen auf das aufatmende Bewußtsein der Kirche - und des Staats durch ihre Vereinigung dem Untergang entronnen zu sein: dem Untergang ihrer Organisationen; denen das Schicksal der Einzelseelen jetzt untergeordnet wird. Denn Kirchen- und Staats-Institution arbeiten sich jetzt in die Hände und verpflichten unsere Menschheit neu zu Arbeit. Auch zu einer neuen Art von Glauben an Arbeit. Den lieferte die Kirche. Und der Staat - den Glaubenszwang! Entgött- 52

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