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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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und äußeren Daseins. Der Polytheismus längst pantheisiert, die Einzelkulte überflössen von vagem Mono-Deismus, findet gottesdienerische Arbeit keinen festen Bezug mehr: für den Capitolinus kann man kämpfen, nicht für die „Gottheit46. Der Christen Eindringen in die Weltgeschäfte vermehrt diese Beziehungs- und Sinnlosigkeit. Der Arbeits-Impuls stockt im ganzen Reich, und der fruchtlose Dienstglaube verfault im Unglauben, der auch die Wurzel anfrißt. In dem Maße verliert der Staat seine Bürger an die Kirche; seine besten und schlechtesten: die noch Arbeit und Arbeits-Glauben suchen an die gläubige Liebesarbeit der Auferbauung einer Menschheit, wenn auch einstweilen nur eine christliche; seine Faulen, in der Glaubenswurzel verfaulten, an den Unglauben des Christentums gegen Menschenleistung an Gott. Aber dieser Zustrom in Kirche durchbricht ihr Gefäß und schwemmt noch weit mehr Menschen aus Kirche heraus. Ebenfalls ihre Gläubigsten und Ungläubigsten, Faulsten und Fleißigsten. Die Urchristen zuerst; denn in dem Unglauben jener in Kirche sich wälzenden Faulen brennt nicht ihre Sehnsuchts-Flamme nach dem Reich der Erlösung; die Christenmasse verstumpft sich gegen die Glaubenshoffnung der Zukunft - da zerreißt das Liebesband, das die Kirche zusammenhält; welche Liebe soll die Sehnsüchtigen mit den Stumpfen verbinden? Sie weichen aus der Kirche - lieber in die Wüste: das christliche Mönchstum beginnt. Und wird auf die Höhe einer Gefahr für den Kirchenbestand gebracht durch die mitweichenden Asketen der Leibesverachtung; sie jagt heraus auch die Liebesarbeit der sogar Staat und Welt umwerbenden übergetretenen Eifrigen. Auf die aber Kirche ihrerseits auch nicht rechnen kann: sie streben zurück in Welt und Staat; Kirche ist nur ihr vorläufiger Standort, von dem aus sie streben. In Seelen- und Menschenkräften - Kirche und Staat zapfen sich gegenseitig das Blut ab. Und schlagen sich noch absichtlich todwund. Der Staat sucht den Streikverein gegen Staatskult zu unterdrücken durch Christenverfolgungen, und die Christen, in passiver Resistenz, sabotieren sein Unterdrückungsmittel, das Heer: in das diese Pazifisten so zahlreich eintreten, daß es seinen Dienst gegen ihre Gesinnungsgenossen versagt. Damit aber überhaupt unzuverlässig wird, auch gegen den äußeren Feind. Doch wird er die Rettung; er einigt Staat und Kirche, daß sie in einem wüsten Staats-Streich und Kirchen-Streich sich finden, in einem verzweifelten 50

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