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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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licher Egoismus; zerbricht all ihr Arbeitsschwung; alle Arbeit wird egoisiert. Wenn nein, zerbricht der Glaube; ist er mit dieser Liebe nicht fast schon angelangt dahin, wovor er einst floh? vor der Aufopferung für Gott?! da er das Reich suchte, drin Gott sich für die Menschen aufopfert! Wenn nun gar die Aufopferung der Christen für Gott übergreift von dem Gott der Erlösung von Bedienung der Gottheit auf eben die götter-bedienenden Werke? als welche Staat, Politik und Kultur sich bezeigten im Wesensgrund und in tausend Einzelzügen. Mit dem Glauben aber bricht wieder die Liebe: seine Schwungfedern erst beflügelten sie zum Dienst. Stärkt er sich dagegen und steift sich, daß er nicht breche, so bricht er diese Verbindung und zerbricht erst recht den der Liebe verhehenen Schwung. Denn stärkt er enthusiastisch die Glaubens-Hoffnung, unmittelbar stehe das selige Reich endlich bevor, - wozu dann noch vermittelnde Liebesarbeit? Stärkt er aber das Bewußtsein von der Gegenwart der Seligkeit: die Glaubensfreude, daß prinzipiell die Erlösung vollbracht sei und innerlich-geistig sich zu fühlen gebe, so stärkt er auch ein lähmendes Unseligkeits-Gefühl: dies „Angeld44 gibt die Pein des Mangels zu fühlen, daß das Leibes-Leben seiner Erlösung noch harre - ein Harren voll Seufzens ohne Lust zur Arbeit: „selig sind, die sich arm fühlen, denn ihnen gehört das Himmelreich!" Nicht Prinzipien nur, Parteien sind es, die sich, unlöslich verschlungen, todfeindlich ansehen. Hie die Nachgeborenen, Ausgeruhten, Zukömmlinge der Kirche, deren Seele hungert, sich mit starker Arbeit zu beladen, des bloßen Betens und Wartens leid; die Soldat, Staatsdiener, Ehrenträger sein wollen; auch Kaufmann, Gewerksmann, weil Neid sich in ihnen regt auf den Reichtum der Welt. Da die Ursprünglichen, doch auch nicht mehr ursprünglich: deren arbeitsmüde Reihen die noch müderen, des Leibes müden Zuzügler der asketischen Philosophie aufgenommen, die der Körperwelt als dem Gefängnis der Seele ihre Arbeit verweigern, die nicht einmal mehr die Bande der natürlichen Liebe, von Ehe und Familie, zu tragen vermögen, geschweige einer Liebe zu Kirche und Staat. Zwei fast verzweifelte Parteien: der einen, die tun wollen und des Staats wegen nicht dürfen, der anderen, die nicht tun können und der Kirche wegen tun sollen. Wegen des Staats des Götterbedienungs-Glaubens und der Kirche der Liebesdienstpflicht! Staat und Kirche selbst stehn in Verzweiflung - am Rand ihres inneren 49

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