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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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weiter gehe, und umbaut den Raubbau der Liebe zu einem Zweckbau: es erweitert das Arbeitsfeld der Liebe so sehr, daß nur anhaltender Fleiß es bewältigen kann; „schaffet daß ihr habet zu geben dem Dürftigen!" - „lasset uns an jedermann Gutes tun, wenn auch zumeist an den Glaubensgenossen!44 Aber diese Mahnungen bleiben hohl, wenn nicht der Christenglaube sie füllt mit x4ntrieben aus dem Kern seines Wesens; doch da er auf das Hoffnungsreich mühloser Seligkeit zielt, sieht er es auf Liebesbemühung nicht ab. So versucht man zwar nicht den Glauben selbst der Liebe zu Unterhaun, aber Glaubensausflüsse in sie einzuleiten. Vier vor allem: Dankbarkeit, Heiligung, Geduld, Gemeindebewußtsein. Für die erlösende Liebe zieme Gegenliebe als Dank, zu deren Empfänger statt seiner der Erlöser den bedürftigen Glaubensbruder bestellt habe. Aber dieser Glaubensappell kommt nicht über die „guten Werke" heraus, will sagen: die überschüssigen, bloß wohltätigen Werke, und erreicht nicht die nötigen der gewöhnlichen Arbeit. Asketische Heiligung bleibt negativ oder schafft, bei Betäubung der Lüste durch Arbeit, Arbeit ohne wirtschaftlichen Sinn. Die Geduld des Glaubens, der warten kann, schickt sich in die Zeit und tut was vor Hand ist, aber ohne Freudigkeit des Tuns. So bauen die Apostel und ihre Nachfolger am meisten auf das Bewußtsein der Glaubens-Zusammengehörigkeit, der „Einigkeit im Geist", deren Kraft die Gemeindegiieder nicht nur über ihr Trennendes und über Zwiste wegträgt, sondern zur „Auferbauung44 der Gemeinde, des „Leibes Christi" ihre positiven Sondergaben ausbauen heißt. Dieser Glaubens antrieb der Liebe hilft denn auch wirklich ihr auf: drängt nicht Aufgaben zu, sondern drängt Gaben heraus, entbindet schöpferische Arbeit und damit Lust an Arbeit, verbindet nicht kleinseelisch nur zum Notwendigen und Guten, sondern ruft zum Vollkommenen auf - dem kommenden Herrn eine vollkommene Gemeinde zum Empfang zu bereiten! —, beseelt die Arbeit wieder mit Uneigennützigkeit - da er sie wegschwingt über das kümmerliche Interesse am Privatseelenheil und über das gegenseitige Wohltun! — und hebt die Liebe aus der niederen Sphäre der Brüderlichkeit in die Göttlichkeit empor: eine Menschheit der Gotthöhe entgegenzuschaffen! eine Brautgemeinde dem göttlichen Bräutigam zu! Eine - nicht die Menschheit! nur die der Christenkirche! diese Liebe prallt an wider die Trennung der Kirche von Welt. Kann sie Halt machen vor Staat, Politik, Kultur? Wenn ja, zerbricht die Liebe; wird christ- 48

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