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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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auch, die Strafe des Todes zu tragen; nur so anerkennt ihn der Christ als lebendig, der selber leben will göttlich und herrlich: den Gott, der der göttlichen Herrlichkeit sich entäußert, und sie wiedergewinnt nur indem er sie dem Menschen gewinnt. „So seid ihr nicht mehr Knechte, sondern Gottes Kinder und Erben!46 Bei Jesus streift diese Sorglosigkeit eines Glaubens, der die Arbeit Gott überläßt, die Grenze der Kindlichkeit, die man liebenswürdig nennt, die es aber dem nicht ist, der nicht zu den Naturschichten der Lilien und Vögel gehört, sondern zu dem herrischen Geistfluß, der nicht rückfließen darf. Doch hat Jesus (lern Quietismus vegetativer Sentimentalität zwei Arbeitsmotive entgegengestellt: Sehnsucht und Liebe; „trachtet nach dem Reiche Gottes", liebet euch untereinander!46 - deren ersteres freilich zulangte außer für inner-seelisches Kämmerlein-Gebet nur für missionarische Propaganda-Arbeit, alle bisherige Arbeit aber vielmehr entwertete. Weshalb die Apostel, angesichts daß ganze Christengemeinden die tägliche Arbeit einstellten und Christen selbst die eigenen Hausgenossen nicht mehr versorgten, das Gebot der Liebe schärfer anzogen und zu einem Werkdienst der Barmherzigkeit ausbauten, um wenigstens den äußeren Bestand der Gemeinde so lange zu sichern, bis das Himmelreich des goldenen Zeitalters nicht länger verzöge. Sie erreichten nur eine so seelen-zerreißende Spannung zwischen Glauben und Liebe, zwischen dem Gefühl der Erlöstheit vom Joeh der einen Dienste und dem der Unterjochung wieder unter andere, daß eben diese Spannung schließlich ausschlug in die Gewaltsamkeit je der Glaubensverleugnung im Staatskirchentum. Die Wirrnis dieser von und zur Arbeit reißenden Dränge empfiehlt sich darum näher zu betrachten. Die Liebeshilfe selbst hebt statt mit Arbeit damit an, dem Baum der Arbeitsamkeit die Axt anzulegen; da morgen oder übermorgen die Himmelsherrlichkeit kommt, schenkt jeder seine Güter weg zur Verteilung unter die Brüder. Auch als nach der bitteren Lektion der Enttäuschung die Reichen nur noch von ihrem Überfluß die Armen unterhielten - denen der Christenglaube nicht arbeiten, sondern beten befahl: um das Kommen des Gottesreichs, auch zu den wohltätigen Reichen; diese merkwürdige sozial-antisoziale Symbiose beherrscht das Gemeindeleben der Frühchristenheit -, bleibt dies ein Raubbau an der Arbeitsamkeit. Da strengt das Christentum die Liebeskräfte aufs äußerste an, um die Arbeitsamkeit selbst herauszulocken, damit einstweilen das Leben seinen Gang 17

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