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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
Belongs to
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Das christliche Mittelalter - die Zäsur ist schon recht; nur Religion scheidet Zeiten! - hat nochmals religiöse Bindung der Arbeit erreicht. Das Feld war frei: die Arbeitsflucht hatte aufgeräumt mit der Bevölkerungsmenge; das Quantum der Arbeit verminderte sich, der Ackerboden brauchte weniger Menschen zu ernähren, man kam aus mit extensiver Wirtschaft. Und das Feld war gedüngt; mit Humus angereichert: in die römische Menschenleere waren die Germanen gefegt. Noch pietätvolle Menschen - darum allein kommen sie in Betracht; die deutschen Volkseigenschaften haben nichts zu bedeuten; wie überhaupt völkische und Rassen-Theorien flach sehn, physisch statt metaphysisch; die Religions-Kraft entscheidet. Dümmere (ein Lob!) — noch nicht mitgeschwitzt durch die Selbstauflösung der urgläubigen Arbeitsamkeit und bereit, auch einen schlechteren Ersatz-Glauben an Arbeit in ihre Seele aufzunehmen. Dessen sich der von diesen Gutmütigen nicht mit besiedelte Orient weigerte, weshalb er in immer tiefere Trägheit versank gegen den neuwachsenden abendländischen Arbeitseifer. Auf diesem Feld nun trieb diese Menschen neu in Arbeit ein Erschrecken des Christentums vor seiner eigenen Konsequenz, der Abfall dieser Abfall-Religion von sich selbst und ihr Umschwung wieder zum Weltdienst: die Umwandlung des Christentums in weltstaatliche Kirche. Das Christentum war der Glaube der Arbeitsmüden gewesen: in Form des Gottes-Glaubens der Abfall vom Gottes-Dienst. Nicht Welt-Flucht zwar im metaphysischen Sinn, aber Flucht aus der vergotteten „götzendienerischen64 Welt. Der Ton liegt, durchaus entgegen der gewöhnlichen Meinung, vielmehr als auf „Götzen" auf „dienerisch"; das Christentum strebt vielmehr vom Kult weg, als zum Monotheismus; der ist ihm nur Mittel, um die Viel-Götter - nicht etwa ihres Daseins, darum schert sich das Christentum nicht, sondern - ihrer Opfer und aller Menschendienste zu berauben. Das Christentum flieht in ein irdisches Himmelreich umgedrehter Arbeitsrollen: wo Gott dem Menschen dient und nicht der Mensch mehr dem Gotte. Die Pyramide der Menschheits-Arbeit stellte es auf die Spitze: ihre Last hatte auf den Menschen geruht, den Tragenden, Opfernden, Gebenden, die sich Gotte zustreckten: Gott war der Nehmende, höchstens Gegen-Gewährende. Der Christ wies Gotte die Aufopferung zu; das eben sei das Göttliche: zu geben! „Der größte unter euch sei euer Diener!" Ja, damit der Mensch frei werde von jeglichem Joch, diene Gott 46

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