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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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der Menschenseele so Gewalt angetan, daß sie sich herausschleuderte über den menschtierischen Zustand und das Menschliche und Menschheitliche aus sich gebar, - fand meine Frage mir insofern gleich Antwort, als ich auch dies der Religion zuschreiben mußte; das Problem war mir nur noch: wie hat die Religion die Arbeitsamkeit, die Bevölkerungsmenge und was sonst unsere Zeit charakterisiert, mit sich gebracht? Eine Untersuchung, der ich seit Jahren obliege. Der Wegweisung in die Zukunft halber, ja nicht um die Plattform der Gegenwart zu erklären. Und hier möchte ich die Begründung nachholen, weshalb ich zuerst Ihr Buch nur halb gelesen. Verführt durch den Titel und die Exposition Ihrer Querschnitte und die bloß rückwärtsige Erstreckung Ihres Längsschnittes, der mit der Gegenwart abschloß, wie ich dies bis zur Mitte des Buchs nicht anders fand, hielt ich's - sehr zu Unrecht! - eben auch nur für eins der mir nicht anstehenden historischen Bücher, die bei der Gegenwart haltmachen - sie gar noch kritisierend! - ohne Ansätze, um hereinzuarbeiten in die Zukunft. Und die Ironie wollte, daß Sie wieder mich bei jenem Gespräch als ebensolchen Nur-Historiker im Verdacht hatten. Hoffentlich ebenfalls nur vorübergehend! Am liebsten enthübe ich mich der Aufgabe, meine Aufreihung der Geschichte am Faden des Glaubens Ihnen zu entwickeln: man verkürzt sich nicht gern selbst; vor allem aber: da Sie wissen, daß es Metapher ist, wozu einzelne Schilderungen? Aber ich fürchte doch, sonst nicht recht verständlich zu sein. Das Urereignis, hinter das zurückzugehn es verkennen heißt, ist die Begegnung des Menschen mit Gott. Mit dem Geist. Ob animistisch ausgedrückt: mit dem Ahngeist, ob in der Sprache der Offenbarungsreligionen mit dem sich offenbarenden Gott. Das warf die Seele in die Revolution jener Vehemenz, die den Äon einer neuen Seelenphase heraufführte. In dem wir noch stehn, obwohl er abdämmert. Evolution statt Revolution als Werdeprinzip anzunehmen, ist das Symptom eben schon der Abdämmerung: die kleingewordene Bewegung in den Seelen versteht sich geworden aus lauter kleinen Bewegungen. Die explosive Revolution des Aufpralls auf den Geist entbot in der entsetzt außer sich geratenen Menschenseele alle Fähigkeiten zum Dienst, sich wieder einzubringen, und setzte sie in so jagende Arbeit herein, daß sie darin sich gespannt in ein Neu-Leben fand voll einer Arbeitsamkeit, die den Umfang der tierischen weit hinter sich ließ und die Menschen-Arbeit der Art nach 44

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