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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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ben der früheren Geschlechter und sagen ihre Wahrheit nur, indem sie auf ihre Wurzeln zurückgehen. So haben Sie es in Ihrem Buch gehalten, da sie den Schichtungen unseres Volkes nachgingen. Doch ist das Bedürfnis historischer Vertiefung auch bei den wurzelhaften Menschen verschieden. Wie Eiche und Zeder, bei gleicher Höhe und Holzfestigkeit, diese Breitwurzeln, jene Pfahlwurzeln treibt. Weil nämlich sie verschiedene Gelände erschließen: die Zeder die dünnere Verwitterungsschicht jüngerer Zeit, die sie dafür um so mehr im Umkreis verarbeitet; die Eiche tiefer gesunkenen Boden, den schon Sumpf wieder überdeckt, indem sie diese Zwischendecke mehr durchbohrt als erbohrt. Ich bewundere den sicheren Griff, mit dem Sie die ganze Breite des Gemeinlebens neuerer Zeit in dem Phänomen der Volksvermehrung erfassen und Ihre Geschichts-Symbolik (denn Geschichtsschreibung ist für Menschen voll Leben unter der Form der Erzählung der Entstehung des Anderen der symbolische Ausdruck des ewigen, aber für Menschheit typischen Triebs!) wirken lassen erst von dieser Grundlage aus, indem Sie diesen Boden schichten in die heraufdrängende seelenniedrige Schicht der Arbeiten- Müssenden, Arbeits-Klugen, und die sonnen-oflene Schicht der herrenhaft-Freien, die Sie von der unteren so durchsetzt werden lassen, daß Ihnen abermals umfassend gelingt, die ganze Oberfläche unseres aktuellen Lebens nach dem größten Querschnitt unseren Augen zu unterbreiten als das mechanisierte Produkt dieser organischen Zersetzung - über deren ausgelaugtes Niveau Sie dann aber Ihren Baum in die Höhe schießen lassen: über die Niedrigkeit unserer Zeitverfassung in die Höhe einer freieren Gestaltung der Zukunft. Ich muß, um meinen Dienst in die Zukunft zu tun, auf ähnliche Verbreitung über die Neuzeit verzichten (schriftstellerisch und tätig), muß mich tiefer aber in den geschichtlichen Grund senken. Ich darf mich nicht (während Sie es müssen) beruhigen bei der Bedeutsamkeit der Bevölkerungs -Vermehrung und sie nur aU einen anderen Ausdruck des Vorgangs des Heraufdrängens der Niedrigen ansehen, sondern muß fragen: was vermehrte sich? darf Ihre Annahme: niedere Schichten sind arbeits-klug! nicht als genügend hinneho n o men, sondern muß für meine Aufgabe fragen: stammt Arbeitsamkeit nicht vielleicht aus älterem Drang? ist Klugheit nicht vielleicht eingeschlichener Mißbrauch der Arbeitsamkeit? Und da nach meiner tiefsten Lebens- Empfindung die Religion die Vehemenz, die einzige Vehemenz, ist, die 13

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