Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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neuen Quells sein, wenn er unserer Arbeit aufhelfen soll. Dann füllt er sie mit Glauben. Mit Glauben an ihren Wert. Aber diesen Glauben suchen zu wollen wäre wertlos. Er ist ja nur abgeleitet. Dieser Glaube an Arbeit, wenn die Seele ihn suchte, gliche schlimm unserem Glauben an Arbeitsamkeit: einem Willen zum Glauben, statt eines Glaubens voll Willens. Alle Begeisterung und Macht, die jener Kraftquell verleiht, und mit denen er uns nicht weniger prall füllen soll, wie es heute der Machtrausch der Arbeitsamkeit tut, erfüllen wohl die Arbeit zu der sie drängen, mit Glauben, aber richten den Glauben nicht aufs Ziel der Arbeit: ungewollt erfließt ihnen ein Wille zur Arbeit. Als Folge; ich sagte schon von unseren Surrogaten des Arbeits-Rausches und seines Macht-Kitzels: sie haben das Urverhältnis verdreht, haben den Nebenausfluß zum Zweck überreizt. Es gilt, diese Verkehrung wiederumzukehren und einen Glauben zurückzugewinnen, der nicht arbeiten will, aber um so seelischer arbeitet, weil er auf ein anderes Ziel als die Arbeit ist, hinzielt. Auf Gott. Der Gottesglaube der Religion hat dies einst geleistet. Ich sage: ein Glaube; ich sage: der Gottesglaube - ohne beweisen zu können, daß auch jener Kraftquell, der zu neuer Art Arbeit wieder Glauben zuleiten könne, selbst Glaube sein müsse. Ich kann es nur behaupten: in letzten Seelendingen stat pro ratione vita. Kann nur behaupten, daß der Gottesglaube der einstigen Religion in der Tat solch ein Kraftquell gewesen ist, dem alle Arbeitsamkeit sich erst verdankt, weil er erst die Seele in Arbeit versetzt hat. Aber dies kann ich immerhin des Näheren erläutern und mit Gründen unterstützen. Denn es hat die Form einer historischen Frage. Aber vor dieser historischen Erläuterung zwei Bemerkungen : erstens daß ich unter Glauben nicht als wesentlich verstehe, A as oder was nicht geglaubt wird, und überhaupt vornehmlich nicht den Inhalt, sei er Lehren oder Sittlichkeit oder Gefühl, sondern die Vehemenz eines Ausbruchs der Seele, der ihr keine Möglichkeit läßt, ihm nicht ganz zu gehören. Glauben ist Besessenheit und Fanatismus, und wenn's weniger ist, ist's eben weniger Glaube. Zweitens, was historische Begründung wert ist. Darüber haben Sie, geehrter Herr Doktor, und ich in unserm Gespräch ein Geplänkel gehabt. Ieh meine: unnötigerweise. Mögen die Toten ihre Toten begraben - auch in Form geschichtswissenschaftlicher Einbalsamierung. Aber lebendige Menschen sind wurzelhaft, tragen in sich die Le- 42