Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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war Dur ihre Folge; aber als der ursprüngliche Sinn der Arbeit erlosch, -wurde die in sich sinnlose auf Erzielung dieses Folgezustandes abgezweckt: sie füllt unsre Lebens-Leere mit Wind. Welch erbitterter Leben-Wille muß dahinterstehen! Denn noch wahrer, als selbst Sie sagen, ist: daß ein Wille unsre Mechanisierung befiehlt - unsere Formalisierung, wie ich sagen möchte. Keine geruhsame ..Entwicklung46. Damit aber enthüllt jener oben von mir besprochene Gegensatz von „Sollen64 und „Müssen44 erst die ganze Abgrundtiefe seiner Feindschaft: denn er heißt letztlich „Wollen44 und „Müssen44! Wir wollen unsre Seele nicht achten, um uns nicht verachten zu müssen als seelenschwach; diesen Selbstbeweis gegen innersten Unglauben - das ist die Arbeit, die sich unsre Zeit macht. Und wrährend unsre Seele weiß: sie vergeht vor sich selbst und stirbt hin versiechend, wenn sie nicht, gleichviel wie, angespannt bleibt, während sie all ihr Seelisches hinzuopfern bereit ist, nur um sich selber nicht fallen zu lassen, um nicht unter sich zu fallen, unter ihr einst mit ihrer Arbeit erreichtes Höchstmaß, nach dem sich zu messen sie ewig nie verlernen zu können hofft, - bietet die Liebe sich an, sie zu entspannen!! Und das in dem schon so höchst kritischen Moment - von dem eben dies Anerbieten auch ein Symptom ist -, daß die Seele ohnehin der Anspannung leid wird. Ja, wir wollen die Anspannung, aber „wir44 ist keine Einheit, und selbst ein „Ich44 ist keine unumschränkte Monarchie, sondern ein Bundesstaat verschiedener, auch feindlicher, Willen, Gegen- und Un-willen. Ein Zug, noch unser stärkster, heischt fanatische Arbeitsamkeit. Aber ein widersprechender meldet sich seit Kurzem. Wie in einem Menschen, der um sein Leben läuft vor einer Gefahr, schließlich Übermüdung sich meldet und rät, Herz und Lunge zu schonen und sich ins Gras zur Ruhe zu werfen, als wäre die Gefahr nicht mehr auf den Fersen. Ich will's hier nicht mit Einzelzügen belegen: vielleicht stimmen Sie zu: der Glaube an die Arbeitspflicht fängt an, auszudienen. Wenn es auch bis zum Ende der Auflösung Jahrhunderte währen mag. Wie sollte auch dieser Glaube sich nicht auflösen, da kein anderer Glaube in unserer Zeit hält? Arbeits-Desertion und ihre Folge - unsere abendländische Welt hat sie schon einmal erlebt. Am Ausgang der Antike: als die Glaubensmächte versagten, die die Sklaven festhielten, die Herren stark machten, sie festzuhalten, und die Bürger willig hielten, das Joch der Gemeinlasten 40