Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Kraft gewinnen wird, uns dem Arbeitsdämon zu entreißen; verknechtet er uns zu höllentoter Arbeit - sei's! denn ohne den Dämon sind wir ein Dreck I Macht - von der falschen Art, die der Alkoholrausch gibt. Das Gegenteil der, die z. B. die Liebe ausübt. Auf den Geliebten, aber auch auf die Sache: der Stoff, den der Mensch zu einem Werk verarbeitet, darein er von seiner Seele eintut, gewinnt einen Zauber auf wer immer das Werk kauft. Das Maschinen-Zeitalter flieht diese Handwerker - Macht. Da- Machtbewußtsein seiner Arbeiter (Hand- und Hirn-Arbeiter) heißt: Akkord - Rekord! und wird nicht durch Liebe bestimmt, sondern durch Konkurrenz, d. i. Neid (der keineswegs hauptsächlich Brotneid ist); es ähnelt der Renommage des Betrunkenen. Auch ihrer Betätigung - der nichts drauf ankommt, an was und zu was die Macht geübt werde, sondern nur auf den Machtkitzel. Die darum ruinös verfährt: Bäume ausreißt, Menschen mißhandelt. Ein tüchtiger Maurer ist heute nicht der eine innere Beziehung zum Bau hat, sondern dem sein Mangel an seelischer Beziehung erlaubt, nach der Schnur in derselben Zeit mehr Mauersteine schematisch zu verbaun: der Stein wird, wie jener Baum des Betrunkenen, entseelt in bloßes Merkzeichen der Macht der Seelen-Roheit. Die doch wieder durch das Machtge/üA/ sich vor sich rechtfertigt insofern, als sie wenigstens nicht als Seeleno/mmac/u, die sie im Grund ist, erscheint. Der Industriekapitän, der mit dem Klingelknopf seines Büros eine Armee in Trab setzt, unterscheidet sich von diesem Maurer nur dadurch, daß er seine Seelenmacht nicht direkt am Objekt, sondern zunächst an Subjekten seelenlos exerziert: an fremden Hirnen und Händen, die er zum Zweck der Bemächtigung von Sachen versachlicht. Ich rede O O dabei bloß vom Machtgebrauch zum sachlichen Zweck (der auch ethische Begleitempfindungen zuläßt), gar nicht vom Machtkoller: die Puppen tanzen zu lassen! Dies sachliche Machtbewußtsein ist so riesengroß, daß es fast die einzige Ehre unserer Zeit geworden; auch die selbst zu Sachmenschen Unterworfenen fühlen sich groß angesichts der Größe der Mao O schinerie, deren Rädchen zu sein sie beflissen sich rühmen und deren großen Schwung sie staunend anbeten, ohne zu fragen, ob die Maschine etwa im Leergang läuft und darin ihre Räder zerreibt. So ist denn die Arbeit nicht Selbstzweck, worauf scheinbar ihre Verzweckung hinführt; sie ist Mittel zu einem Zweck, der mit ihrem Inhalt nichts gemein hat; dem sie ursprünglich nicht gedient hat, sondern er 39