Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Papiers. Ich hatte lange in das Figurenwerk hineingeschaut, in dem Stern und König fehlten; jetzt, da ich meine Augen wo anders hin wandte, sah ich überall Stern und König. Mitten in diesem träumerischen Sehen wurde ich gerufen, ich solle doch in das alte Haus kommen und den Großvaterschrank herumtragen helfen, den ich mir gegen einen neuen Schrank für die Elternstube eingetauscht hatte. Als ich aus dem neuen Hause heraustrat, immer noch traumverhangen und das Bild der Großvaterkrippe mit ihren Lücken überallhin projizierend, sah ich am leicht bewölkten Himmel eine Lichterscheinung, die ich jedem Naturwissenschaftler als „ganz und gar natürlich" darzustellen und zu erklären bereit bin. Es war das Bild eines großen, in mildem Licht leuchtenden Sternes mit langem Schweif, so wie auf Krippenbildern der „Stern von Bethlehem64 aussieht; darunter und zur Rechten und zur Linken in drei Kreisbogen geordnet lichtweiße Wölklein wie lauter Engeisvolk. Es war ein ganz seltsames Spiel des bis auf die funkelnde Spitze seines Horns verdeckten Mondes und des Gewölkes, dauerte kaum so lange, als wie ich es erzähle, überdauerte aber doch die träumerische Schau. Denn ich rieb mir die Augen aus und sah es doch noch. Als ich dann den Teil des alten Hauses betrat, der Großvaters letzte Wohnung war und in dem der alte Schrank stand, wollte ich gleich meinem Schwager von der seltsamen Himmelsschau berichten, aber er hatte etwas anderes. Er hatte gerade den großen schweren Schrank von seiner Stelle gerückt und hinter ihm - den König gefunden, den mir fehlenden, den knienden, den anbetenden. Es schloß sich mir ein großer goldener 7 o o Ring: Mit diesem König, da er verschwunden war, hatte ich meine eigentliche religiöse Schriftsteilerei begonnen, und jetzt, da sich urn ihretwillen mein Leben gewendet hat und da ich in weitem Bogen nicht bloß zur Heimat und zum Glauben, sondern auch zur Ausdrucksweise oder - wie soll ich sagen? - zurückgekehrt bin, kommt er wieder! Es ist nichts, wirklich nichts, ihr lieben Rationalisten, seid mir nicht böse, daß ich es euch erzähle! Nein, es ist wirklich nichts, aber aus nichts hat Gott die Welt erschaffen. Respektiert das Nichts; unter Gottes schaffenden Händen kann eine Welt entstehen aus ihm, eine neue Welt und mit ihr eine neue Wissenschaft. Mir hat er geschaffen eine Tröstung, einen Beistand. Und ich denke auch an dieses Werk Gottes, wenn ich das uralte Loblied sage: „Benedicite omnia opera Domini Dominum!" 3i