Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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ster hindern, dem unmittelbaren Wege auszuweichen. Erst wenn die machtvolle Ansprache an die Kreatur beendet ist, heißt es: „Oremus!", und es beginnt eine Oratio zu Gott; dann die Ansprache an die Kreatur des Wassers und eine zweite Oratio zu Gott; dann die mit Worten begleitete und im Zeichen des Kreuzes geschehende Vermischung des Salzes und des Wassers und endlich eine dritte Oratio zu Gott. Ich glaube, in der Schule meines Hausbaues gelernt zu haben, daß es mit den Dingen der Schöpfung noch einen anderen Verkehr gibt als den der physischen Nutzbarkeit, des physischen Widerstandes und der physischen Gewalt, deren Anwendung von einem Geiste ausgeklügelt wird, der keinen unmittelbaren Weg zu den Dingen der Schöpfung hat; auch noch einen anderen als den durch Gott, durch den fromme Beter zur Macht über die Erde kommen wollen, und noch einen anderen als den durch den Teufel, den die Zauberer beschreiten wollten. Es ist der Weg, selbst aus der Reihe der Götter und Teufel herauszutreten und auf dem Boden zu stehen und in ihm zu wurzeln, aus dem immerwährend Kraft und Herrschaft empordringt in unser Wesen, das heißt: selber Kreatur zu sein, nicht irgendeine, sondern die, der die Macht über die Erde zugesprochen ist. Dies ist auch ein Fels, den die Pforten der Hölle nicht überwältigen. Was nun das andere ist, was uns bei einem Werke so hartnäckig und, wie wir oft meinen möchten, boshaft widersteht, das möchten wir oft gern wissen, ehe wir es offen zugestehen, daß es ist. Daß es ist, das sollen wir erst erfahren. Es ist etwas, was gar nichts anderes ist. Wenn wir sagen wollten, es sei ein Geist, oder ein ganzes Heer von Geistern, oder es sei weiter gar nichts als das Spiel der Naturkräfte und Zufälle, so gerieten wir vielleicht auf einen ganz falschen Weg; wir setzten nur ein unbekanntes Ding für ein anderes unbekanntes Ding und erschienen vielleicht als klug und wissend und hätten etwas Schlimmeres gesagt als gar nichts, nämlich etwas Falsches. Nur den einen armseligen Trost hätten wir, daß wir beruhigt die Augen wieder zum Nichtsehen schließen könnten. Ich traf einmal in Italien einen merkwürdigen Gesellen; es war abends, nicht allzuweit vor den Toren Roms; wir waren zwar gewarnt worden, nach der Abenddämmerung außerhalb der Tore zu bleiben, aber für mich waren solche Warnungen eher Mahnungen, denen ich folgen mußte. Die seltsame Gestalt fragte mich auch, warum ich mich nicht vor ihr fürchte. Ich antwortete: „Sie sind doch ein Mensch, und da ich Priester bin, 24