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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Baumeistergeheimnisse, z. B. wie man die Bauzeichnung einer Treppe herstellt, einer Kunst, nach der sich jeder tüchtige Zimmermann sehnt, die aber peinlichst vor seinen Augen verborgen wird. So lernten wir viel voneinander, bis wir zueinander Du sagen mußten. Selbst die Handlanger, vor allem den Ziegelträger erkannte ich als Bewahrer von vielerlei Kenntnissen des Sechstagewerkes Gottes, die ich selbst bei den tüchtigsten Exegeten des Alten Testamentes vergeblich gesucht hätte. Genauer als ein Mathematiker wußten sie das Verhältnis der Last, die sie tragen mußten, zu der Entfernung der Leitersprossen, auf denen sie emporstiegen. Aber von dieser Schule will ich hier nicht reden; ich weiß auch noch nicht genau, wieweit sie zu meiner ewigen Seligkeit notwendig war. Ganz trennen läßt es sich indessen von dem anderen, was ich sagen möchte, nicht. Ich hatte auch schon früher oft und gern bei handwerklichen Arbeiten geholfen und zugesehen, und es war mir dabei weiter nichts aufgefallen. Die Arbeiten waren immer für andere; für mich selbst hatte ich fast noch nie etwas gebaut oder gezimmert oder geschnitzt oder gemalt. Wenn ich auch dabei gar manche liebenswürdige oder unliebenswürdige „Zufälle'* erlebte, so traf die Liebenswürdigkeit oder Lnliebenswürdigkeit nie mich persönlich, sondern nur als Mitleidenden oder Mitlachenden. Mitleiden und Leiden, Mitlachen und Lachen sind aber so sehr voneinander verschieden wie ein Sehender, der mit eigenen Augen sieht, und ein Blinder, der an der Schau des Sehenden teilnimmt. Gewöhnlich hatte ich bei allen handwerklichen Arbeiten viel Glück, lauter kleines, aber in der Summe doch viel. Brauchte ich ein Stück Material oder Werkzeug, so fand ich es im Vorrat und Gerümpel unseres alten Hauses, in dem nie etwas L nbrauchbares weggetan wurde, weil es doch vielleicht noch irgend einmal zu irgendeinem Zwecke gebraucht werden könnte. Oder wenn ich es nicht fand, so bot sich mir eine andere Möglichkeit schier freudig und freiwillig an, und es erwies sich fast immer, daß diese andere Möglichkeit, die angebotene, besser war als die gesuchte: Ich hatte keine Gegnerschaft in der „leblosen" Kreatur, sondern vielmehr Freundschaft. Aber auch für diese hatte ich eigentlich noch keine Augen; ich sah sie als etwas Selbstverständliches an, und für Selbstverständliches öffnet man eben leider weder Verstand noch Auge. Ich hatte diese Blindheit der Erde gegenüber bis in dieses Jahr hinein. Dem Geiste gegenüber war ich wohl schon eher sehend geworden. Obwohl ich meistens nur schrieb, wenn mir LS

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