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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Verantwortung dafür belasten; die Dinge wären auch ohne sie gekommen.64 So war mir also schon dieser Schulwechsel wieder eine neue Schule: ich lernte etwas Neues: Es gibt in der Schöpfung Gottes Kräfte, die sich verstecken; die anonym bleiben und sich mit aller List gegen das Gesehen- und Genanntwerden wehren. Die genannten und erkannten Kräfte und Gestalten stecken mit ihnen unter einer Decke und schützen ihre Verborgenheit und Anonymität, nehmen ihr Tun auf das eigene Konto, leihen ihnen die eigene Autorität; sie scheinen eine Art Korpsgeist zu haben, oder sie werden gezwungen, Korpsgeist zu haben. Darum geschieht so vieles im Namen Gottes, im Namen der Kirche, des Staates, des Gesetzes, der Sittlichkeit, der Religion, der Liebe, der Barmherzigkeit, was mit Gott, Kirche, Staat, Gesetz, Sittlichkeit, Religion, Liebe, Barmherzigkeit nichts zu tun hat. Wehe ihnen, wenn sie ihren Namen dazu hergeben, wenn sie ihr Tor öffnen, ihre Hand leihen! Jene verdeckten Kräfte sollen wirken, sollen aber auch ihr Visier öffnen. Denn Gott, der sie geschaffen hat, ist nicht ein Gott der Verhüllung, sondern ein Gott der Offenbarung, freilich der Offenbarung aus tiefster Verhüllung, der Offenbarung, die tiefster Verhüllung bedarf, um mit höchster Kraft, mit einer bis zum Ausbruch wachsenden Kraft durch die letzte Verhüllung durchzustoßen. „Wenn die Not am höchsten, ist Gott am nächsten." Darum ist jenes Versteckenspiel, jenes Wehren gegen eine leichte Offenbarung frei vom Verdacht teuflischer Bosheit, sondern ist geschaffen zur Offenbarung im letzten Ringen, in äußerster Not, in höchster Kraft, in der „Fülle der Zeit". „Arge Dinge müssen kommen", aber sie sollen erst kommen, wenn sie so stark sind, daß sie die letzte Mauer durchbrechen; wehe dem, der sich zu einem geöffneten Ausfalltor für sie macht! Der Glockengießer tötet den Lehrling, der die Glockenspeise in die Form ließ; der Meister selbst wird zur Richtstatt geführt; nur eines wird herrlich und darf jahrhundertelang leben und klingen: das Werk, die Glocke. Sünde, Elend, Tod ringsum, aber die Offenbarung wird; das Werk triumphiert über Meister und Lehrling. Ich wußte gar nicht, wohin ich aus der alten Schulklasse gestoßen sei. Nur mein Glaube sagte mir, daß ein neuer Schulraum für mich geschaffen sein müsse. Ich war so verstoßen aus der alten Schule, wie Menschen überhaupt nicht verstoßen können. Denn wenn einer sonst aus einer 13

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