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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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wenn all mein Leben schön war, dann vor allem aus dem Grunde, weil jener Tag kein Ende hatte; weil ich immer wieder hören durfte: „Gott sprach, und es ward"; weil immer wieder ein neuer Himmel und eine neue Erde wurden; weil Worte Welten schufen. Jener Tag hatte bisher kein Ende, aber er wurde jahrelang unterbrochen; er wurde jahrelang verfinstert. Gottes urzeitliche Schöpfung blieb zwar bestehen und ward meist anerkannt, aber sein Schaffen wurde verhüllt; ich sah ihn nicht mehr schaffen, und was er schuf, trug nicht mehr das Wunderkleid des Geschaffenseins, sondern das Elendskleid nackter Alltäglichkeit; war nur noch wert als Gebrauchsgegenstand oder wissenschaftliches Forschungsobjekt; und vor den Augen und in der Sprache der wissenschaftlichen Forschung verlor es vollends die Ehre seines vollen, lieberfüllten Gottes Werkes und wurde immer mehr „zurückgeführt" auf ein anderes und dieses wieder auf ein anderes und das letzte auf ein blödes Fragezeichen, bis nur noch ein armseliges Häuflein von Funktionen und Beziehungen und natürlichen Ursachen und Wirkungen übrig blieb, über das man den Babelsturm der Hoffnung auf grandiose „Entwicklung" baute. Während ich dies schreibe, durchbraust draußen der Sturm meine geliebten Erlen im Wiesengrund, ein königlich gewaltiger Besuch bei meinen Erlen. An einem Tag hat er die ganze Landschaft ringsum freigemacht von Schnee und Eis. Er greift den Bäumen mächtig in die Wipfel und bringt alle ihre Zellen in Bewegung; er greift mir selber ans Herz; es geschieht etwas, es wird etwas; es ist ein Bote Gottes unterwegs - ach nein, es ist nur darum, weil irgendwo in Schottland ein „Maximum" und irgendwo in Kaukasien ein „Minimum" entstanden ist, sonst nichts! Ach ja, einst lernte ich, daß Gott die Welt aus nichts geschaffen habe, und da war sie mir etwas; jetzt wfciß ich - und ich soll vielleicht noch dankbar dafür sein - daß alles erklärbar und „sonst nichts" ist. Wenn Gott spricht, so wird eine Welt aus nichts, wenn ohne Gott gesprochen wird, so wird nichts aus der Welt. Dadurch, daß viele Geschöpfe Gottes, die in ihrer eigenen Gottgeschaffenheit für sich besonders dastehen, für sich besonders Gottes Macht und Herrlichkeit lobpreisen, für sich besonders zu Offenbarung und Geschenk werden, durch die Schulwissenschaft auf andere zurückgeführt werden, als wären sie nur Geschöpfe der anderen, Wirkungen, Funktionen der anderen, und dadurch, daß wiederum viele nur „Beziehungen" zwischen zwei oder drei oder vielen anderen genannt werden, 8

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