Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 133)
- Language
- German
- Belongs to
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mandenanstalt. In dem Doppelamt wirkte Rang „mit großer Freudigkeit und völliger Hingabe" bis Herbst 1902, dann zwang ihn Krankheit der Frau zu einer Änderung. Daß er die Arbeit niederlegen mußte, empfand er als eine „Entwurzelung, die sein ganzes Sein erschütterte". Man berief ihn an das Pfarramt vonPolajewo. Der darauffolgende Sommer brachte die Anfänge schwerer innerer Kämpfe. Der Ernst der ethischen christlichen Forderung, die Unmöglichkeit sie ohne Selbstvernichtung zu erfüllen, standen plötzlich da. Bis der Ringer vom Boden aufstand und „den Priesterrock sich abriß". Als verabschiedeter Pfarrer siedelte Rang mit Frau und vier Kindern nach Bonn am Rhein über. Wie in einem Jubel des Erblühens setzte er da das Wort Florens vor seinen Namen. Er behielt diesen Namen wie ein Denkmal. Rang begann sich in Bonn philosophischen Studien zuzuwenden, betrieb aber bald seine Wiederanstellung als Yerwaltungsbeamter. Er wurde Regierungsrat, Direktor des Oberversicherungsamtes in Koblenz. Dort lebte er ein Jahrzehnt, ein Beamter, der das Leidenschaftliche, Hintergründige seines Leben* in zwei merkwürdigen Manuskripten niederschlug: Abrechnung mit Gott, Studium Shakespearescher Sonette. Auf einer Vortragsreise nach Wien und Graz besuchte er Hugo von Hofmannsthal in Rodaun; von da ab verband ihn mit dem Dichter eine Freundschaft die bis zum Tode dauerte. Auch Richard Dehmel und der bedeutende Freiherr Marschall v. Biberstein, Landrat in Montabaur, traten in den Kreis der engeren Beziehung. Durch eine Art Zufall lernte Rang in Berlin Walther Rathenau kennen, und mit dem Freunde Erich Gutkind bildete er eine Verbindung, „um es mit nichts zu versuchen als mit der Wahrheit". Zu diesem „Potsdamer Kreis** zählten Frederik van Eeden, Erich Gutkind, Martin Buber, Gustav Landauer, Theodor Däubler, Henri Borel, Paul Bjerre und Florens Christian Rang. Kriegsausbruch. Von Mitte August 1914 bis 1917 diente Rang als Chef der Zivilverwaltung der Etappeninspektion der V. Armee in Montmedy. Der älteste Sohn fiel in der Champagneschlacht. Die drei jüngeren Söhne wurden ebenfalls Soldat. Rang nahm am 1. April 1917 als Geheimer Regierungsrat den Abschied aus dem Staatsdienst. Er wurde geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Generalverband des RaitFeisenvereins und zog nach Schlachtensee bei Berlin. Von dem Potsdamer Kreis waren ihm Gutkind, Buber und Däubler geblieben. Eine neue nahe Freundschaft, die mit Walter Benjamin, trat hinzu. Als Gast und Freund besuchte ihn Nikolai Seheierman, ehemals russiischer Großgrundbesitzer, der aus Gewissensgründen - schon vor dem Kriege - sein Gut aufgegeben hatte und Siedler geworden war im Kaukasus, in England, Deutschland, Brasilien, zuletzt in Schweden. In diesen Jahren wandte sich Rang nach erregenden Aussprachen von der bisherigen Kriegsbejahung ab: es bedurfte dazu einer entscheidenden Abrechnung mit den deutschen Idealismus, diese schrieb er sich später in der „Bauhütte44 vom Herzen. ,,Die scheinbare Willens-Herrlichkeit dieses Schlachtentod-Glaubens, der das Leben nicht achtend hinwirft für die Idee, - diese wolkenschwangere Nacht, die uns schon Jahrtausende überlagert und statt Sterne nur Blitze zu Wegkündern gibt . . . diese grauenvolle 133