Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 134)
- Language
- German
- Belongs to
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Weltansicht des Welt-Tods statt Welt-Lebens, die sich in der deutschen Idealismus- Philosophie das Grauen mit dem Gedanken erleichtert, daß hinter den Wolken ja Sternhimmel sei - diese deutsche Geistes Grundrichtung ist zutiefst willenlos, sie meint nicht, w as sie sagt, ist ein Verkriechen, eine Feigheit, ein Nichtwissenwollen, ein Niehtleben - aber auch Nicht st erbenwollen." Rang trat 1920 aus dem Raiffeisenverband und zog nach Braunfels. „Als Freiherr mit der Armut im Wappen.44 Ich begegnete Rang zuerst bei einer Zusammenkunft irgendwo in der grünen oberhessischen Landschaft, wir lebten dort ein paar Tage in einem Dorfe dessen Pfarrer ein Freund der Quäker war wie wir, es war eine Art Freiluft-Seminar. Wenn Rang sprach, ging es um Unterscheidungen, um Klarheit. Ich witterte, angezogen und geniert zugleich, den geschulten Theologen, den gewesenen Beamten. Wir lagen einmal eines heißen Mittags zu dritt in Hemdsärmeln an einem Waldsaum, ich hörte ein sehr gründliches theo-philologisches Gespräch zwischen Rang und einem Beteiligten an und schaute dabei mit verzweifelter Ungeduld in das glühende Blau zwischen den Bäumen. Aber ein paar Nachmittage später, die Sonne schien in den mit Bauern und Arbeitern gefüllten Eisenbahnwagen, fanden wir doch im Gespräch jene heitere Ernsthaftigkeit und Zielgemeinschaft, die uns zusammenbrachte. Es ist nicht meine Sache zu sagen, was Florens Christian Rang seinen Freunden einzeln gewesen ist. Er war, in aller seiner Vielseitigkeit, streng und erfahren, brüderlich und treu. Er sah mit dem durchdringenden Blick, mit der absoluten Verhaltenheit des Verwaltungsbeamten der Wirtschaft, der Technik, der Politik, dem Tagesgeschreibe auf die Finger. Das Resultat war bitter. Rang war gewöhnt Konkretes zu sehen, Bedingungen abzuwägen, Verschachtelungen festzustellen. L nd durch dieses ganze unabsehbare Gestrüpp ging er mit einer gläubigen Unbedingtheit. Er hielt viel mehr gründlich Änderndes für ausführbar, als mancher weniger Einsichtsvolle: er wollte im Möglichen das Äußerste und er sah, fromm und reserviert zur Abhilfe tätig, die ungeheure Not. Er war ehrbar im paulinischen und selbst im petrinischen Sinne, aber im Herzen johanneisch. Bei aller Skepsis und Schärfe jedem übertreibenden, schwärmenden W ort gegenüber war er ein eiserner Advokat des ..Reiches". Er wäre gewiß nach solcher Laufbahn, die Bezirk um Bezirk durchmessen und vertauscht hatte, auch im alltäglichen Wortsinn ein Reichsbeamter von Weltmaß. ein großer Mandarin geworden, bezaubernd und von größtem Einfluß durch seine Überlegenheiten; vielleicht auch deshalb besonders weil er mit Kindlichkeit dem Unerforschlichen gegenüberstand, mit armen Leuten nicht ehrfurchtloser umging als mit den Schatten der Erlauchten. Auf dem Tischchen neben seinem Sterbebett lag das Losungsbuch der Brüdergemeine. Er fand nicht erst in seit den Monaten seines körperlichen Leidens im Neuen Testament das klarste Trinkwasser, süßes und auch bitteres. War wirklich in diesem Leben eine Tragik, so ist sie einem Ringen um Christus in den vier Fakultäten zuzuschreiben. Der Entschlafene sah aus wie ein Römer, heroisch abgezehrt, mit einem leisen Triumph um die schmalen Wangen; ein Stratege, der Pläne, Übersichten in sich trägt die sich noch der Erörterung entziehen. Alfons Paquet 134