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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 132)
Language
German
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Comenius, Grotius, Leibnitz, Fichte, Görres vom göttlichen Feuer und Erbarmen her auf Schicksalsgestaltung drängten, aus einer Fülle des Herzens, aus tiefer Verständigkeit und Sachkenntnis heraus. Rangs Philosophie, wo sie politisierte, hielt sich an das Nächste. Das Nächste war ihm ein Problem der Wiederherstellung im Verhältnis zu Belgien und Frankreich: an das Wort Bethmann-Hollwegs vor dem Reichstag beim Kriegsausbruch war anzuknüpfen, und eh nicht unsere eigene Lage klarstand, kein Seitenblick erlaubt auf das was am europäischen Zustand Mitschuld und Verhängnisanteil der andern ist. So beschäftigte den Denker das kreatürlich Niedere zugleich als das Höchste, Dringendste unter der Verantwortung, unter die er alles stehen sah: von der Empirie des Staatlichen, hier des deutschen sogar des preußischen Staatlichen her, das Problem des gerechten Staates, des wahren \ ölkerbundes. Rang nahm, was er schrieb und aussprach, für Arbeit am Reiche Gottes, und stets in der ihm angemessenen sozusagen staatsmännischen Haltung. Er nahm Deutschland wie es ist, ohne Selbsttäuschung, ganz positiv, ganz kardinal. Ich wüßte wenige Menschen, die so ihr Land mit allen seinen Gegebenheiten kannten. Rang war als Sohn eines kurhessischen Beamten, der dann preußischer Geheimer Regierungsrat wurde, 1864 in Kassel geboren. Die Mutter, eine Tochter des Buchhändlers Kettembeil, der Grabbe verlegte, war evangelisch. Der Vater, Katholik, unterschrieb den Protest gegen das Unfehlbarkeitsdogma und ließ von 1869 ab seine Kinder evangelisch erziehen. Katholische Elemente blieben in Christian Rang immer von evangelischen durchdrungen, die evangelischen von katholischen; daran hatte gewiß auch die am Rhein verlebte Jugend ihren Anteil. Die Umzüge der Familie von Kassel nach Ürdingen, von Ürdingen nach Potsdam, dann nach Köln, waren ja im übrigen ein kleines Abbild des Beamtenschicksals in allen Imperien, im ghibellinischen Staat überhaupt. Der Knabe durchlief das Apostelgymnasium in Köln, der Student besuchte die Universitäten Lausanne, Leipzig, Berlin und Bonn. Mit 22 Jahren Doctor juris, verbrachte Rang seine Referendarzeit in Köln, Halberstadt und Kassel und ließ sich 1890 als Regierungsassessor nach Posen versetzen. Er wollte den Osten kennenlernen. Er erlebte dann im Osten die entscheidenden Jahre. In Posen wurde Rang Dezernent der Kirchen- und Schulabteilung. Durch die Freundschaft mit bedeutenden Kirchenmännern, durch ein erwachendes Interesse an der inneren Mission, durch Mitarbeit im Vorstand der Herberge zur Heimat, als Schriftführer von Alt-Latzig, Kolonie für Arbeitslose, trat er nach Jahren der Lösung vom Glauben und kirchlichen Wesen in eine neue entschieden religiöse Existenz. Auf einer Dienstreise wurde ihm offenbar, „sein Leben ganz in den Dienst Gottes zu stellen". Das konnte ihm damals nur bedeuten: Pfarrer zu werden. Es kostete ernste Prüfung, harte Kämpfe, diesen Entschluß auszuführen. Die tapfere Gattin war einverstanden. Es war in der Zeit kurz vor der Geburt des ersten Kindes. Verwandte und Freunde rieten ab. Aber Rang begann 1895 in Greifswald das theologische Studium, zwei Jahre später bestand er kurz nacheinander die beiden Examen, im Mai 1898 folgte die Ordination und Berufung als Pfarrer der Ansiedelungsgemeinde in Deutsch-Wilke, zugleich als Leiter der Provinzialkonfir- 132

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