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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 128)
Language
German
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nicht das Gefüge der Sätze sichtbar macht, sondern, in alle Ritzen des Satzes eindringend, unmittelbar nur das Verhältnis jedes einzelnen Wortes zu seinem Nachfolger bezeichnet und nur mittelbar dadurch natürlich auch den Zusammenhang der Satzglieder aufklärt. Aber sie stellt, trotz ihrer durchgängig auch musikalischen Bedeutung, doch vor allem eine restlose logische Durcharbeitung des Textes dar - eine Leistung philologischer Interpretation übrigens, vor der alle spätere Philologenarbeit an diesem Text sich verstecken muß. Das Musikalische in ihr ist fast durchweg - abgesehen von einzelnen Stellen, etwa gesanghaften Phrasierungen mancher Namensketten - nur funktioneller Ausdruck des Logischen: wer die Art kennt, wie beim „Lernen" des Talmud das was der Laie für Singsang hält, das musikalische „Stellen64 des gelesenen Satzes, sein logisches Verständnis vorwegnimmt, oder wer auch etwa nur im Ohr hat, wie Hermann Cohen schwierige Piaton- oder Kantsätze schon im Lesen „stellte", der wird jenes Getragensein der logischen Bedeutung von dem musikalischen Wert auch für die biblischen Interpunktionszeichen verstehen. Nun sind aber jene Zeichen, die sogenannten Akzente - denn auch diese Funktion von Silbenbetonern haben sie, neben der von Interpunktion und der von Noten, genauer: Notengruppen -, überdies, ihres Charakters als ungeheurer philologischer Leistung unbeschadet, nie, wenigstens vor der restaurativ gewaltsamen Orthodoxie der jüdischen Emanzipationsepoche nie, mehr gewesen als eben die Leistung großer und ehrwürdiger Vorgänger, denen der spätere vertrauend und gern folgt, von denen er sich aber in aller Bescheidenheit auch abzuweichen gestatten darf und muß. Wenn der klassische jüdische Kommentator, ohne dessen nun bald neunhundertjährige Erklärungen kaum eine jüdische Bibel gedruckt wird, wenn Raschi mit seiner unerreichten Ausgegliehenheit kindhaften Eingewachsenseins in die volkstümliche Überlieferung und helläugigen Eigenblicks in den Text, wenn Raschi gleich den ersten Satz der Bibel in klarem Widerspruch zu jenen überlieferten Zeichen interpretiert, dann ist damit jedem Späteren Richte und Maß gegeben. So hilft beim Alten Testament die überlieferte Interpunktion dem Übersetzer, der die Pflicht erkannt hat, die Schrift wieder vom Atem des Wortes durchziehen zu lassen, nicht so viel als er selber vielleicht anfangs meinte. Es geht damit anders als mit dem überlieferten Vokal- 128

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