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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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geben an Gott wandte und im übrigen alle Arten des Aufschwungs, der Weltliebe, der Verehrung ertrug) sehr störend war, obwohl sie vielleicht schuld daran ist, daß mir lange Zeit das plastische, als Gebet geformte Reden mit Gott fremd gebheben ist, lernte ich sie ertragen wie das Knurren eines bösen Haushundes: er lag in der Ecke und gab von Zeit zu Zeit seine zornigen Laute von sich, aber das Leben im Hause ging schließlich doch seinen Gang. Es war eine Anfechtung in sehr altertümlichem Stil, ein Hausteufel in Holzschnittmanier, ein Höllengeist von praller, ungeschlachter, tierischer Körperlichkeit, der mir aber trotz der unzweideutigen, bösen Dämonie seines Wesens mehr erschreckte Verlegenheit als eigentliche Qual bereitete. Mein Verhältnis zu diesem Hausteufel gestaltete sich im Laufe der Jahre sonderbar genug. Ich sagte schon, daß sein erstes Auftreten noch fast in die Kinderzeit fällt; aber noch Jahrzehnte später machte er sich durch ein gelegentliches Knurren, Lästern und Rumoren bemerkbar. Da er sich gegen das Gebet (und nur gegen dieses) wie gegen eine Gefahr zur Wehr setzte, übte ich in diesem Punkte gleichsam Vorsicht. Ich behandelte ihn wie ein unvernünftiges Tier, das gezähmt werden soll, mehr schonend als gewaltsam, mehr mit List als mit offenem Zwang; denn ich hätte fürchten müssen, ihn durch oflfenes, wohl gar leidenschaftliches Entgegentreten nur noch mehr in seine Wildheit zu scheuchen. Für dieses mildere Verfahren sprach vornehmlich, wie gesagt, der Umstand, daß der Hausteufel die Souveränität meines Ichs unangetastet Heß; aber außerdem noch eine geheime Erwägung, die ich nicht ganz abweisen konnte. Der Hausteufel mußte wohl zunächst aufgefaßt werden als eine Gegenwehr gegen die Überantwortung des Menschen an die oberen Mächte. Sein Widerstand hatte zum Ziel, den Menschen von der höheren Erschwingung fernzuhalten; bei jedem Teufelspakt der Legende wird dem Menschen zunächst das Gebet untersagt. Aber war es nicht möglich, daß der Widerstand noch einen tieferen Sinn hatte; nämlich den, vor eilfertigen, unziemlichen, unerlaubten Gebetswagnissen zu warnen? Konnte der Hausteufel nicht die Aufgabe haben, den Menschen im geeigneten Moment nachdrücklich an das Finstere und Niedrige in seinem Wesen zu mahnen und ihn so vor jeder Illusion über sein wahres Verhältnis zu den oberen Mächten zu bewahren? Gewiß verfolgte der Dämon zunächst bloß sein Interesse; er suchte die Gottferne des Menschen dar- 28

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