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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Ernste stand? Er ist nichts als das nach oben projizierte Rebellentum. So wenig die Abtrünnigkeit des Menschengeistes eine Fiktion ist, so sehr ist dieser nicht liebende, nicht schaffende, sich sparende Gesamtgeist eine Fiktion, die das Unterste zu oberst kehrt. In die Fülle gehen, in die Heimat und in die Reinheit gehen kann daher für den Menschengeist nicht heißen: der Verknotung, der Welt den Rücken kehren; so wenig wie nach der Auffassung der großen Religionen die Heiligkeit Gottes darin besteht, daß er die Welt losläßt. 3. Der Hausteufel Der einzige dunkle Punkt in der Reihe dieser Erlebnisse ist eine Art Besessenheit, die sich schon sehr frühe, etwa von meinem fünfzehnten Lebensjahr ab, bemerkbar machte; also zu einer Zeit, in der von primären geistigen Erfahrungen oder auch nur von wahrhaftem geistigem Leben noch keine Rede war. Sie bestand in folgendem: Jedesmal, wenn sich mein Inneres zur Gebetshaltung anschickte, stand ein Etwas in mir auf und kämpfte mit wütenden Lästerungen, ja mit ausgesprochenen Schimpfworten dagegen an. Es wäre der Mühe nicht wert, von einer solchen inwendigen Gegenbewegung gegen eine im Augenblick dominierende Bewußtseinshaltung zu sprechen, wenn nicht diese Gegenbewegung mit einer auffallenden Selbständigkeit und Sinnfälligkeit, gleich einer „äußeren64, dämonischen Verlautbarung vor sich gegangen wäre. Es war ein innerer Gehörseindruck: unflätige Lästerreden gegen Gott, halluzinatorisch deutlich, polternd, grob und mittelalterlich stilisiert, ausgehend wie von einem fremdenWesen, das ich von,,mir44 deutlich unterschieden fühlte. Ich nenne dies den einzigen dunklen Punkt, weil nur in diesem Falle eine gleichsam „äußere", von dritter Seite stammende Einwirkung geschah, die sich in fast lächerlich derber, ungezogener Art zwischen Gott und mich drängte. Mein Ich blieb dabei unangetastet, es blieb wehrhaft und unzersetzt. Während sämtliche anderen Angriffe, Ängste, Verzweiflungen, Anfechtungen darauf hinausliefen, mein Ich zu zersetzen und mich gleichsam vom Rücken her anzufallen, blieb dies ein plumper Frontalangriff, der „mich" im vollen Besitz und freien Gebrauch meiner Waffen antraf. Deshalb ertrug ich ihn relativ leicht: er ging „mich64 nichts an, er fiel „mir46 nicht zur Last. Obschon die Wirkung dieser dämonischen Gegenwehr (die sich nur gegen das kindliche Sichhin- 27

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