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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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zutun und zu erhalten. Aber da er das Ich unerschüttert ließ, blieben auch die Kräfte frei, die auf eine Überwindung dieser Gottferne hinarbeiten konnten; ihnen zeigte der Dämon geradezu die Aufgabe, die ihrer harrte. Sein Poltern und Lärmen, von ihm aus völlig „böse" gemeint, wirkte so im Enderfolg gegen den Selbstbetrug, gegen ein überstürztes, ungesichertes Weitergehen mit unerledigten feindlichen Positionen im Rücken. Es spielte die wichtige Rolle des inneren^ iderspruchs, der niemals bloße Hemmung, sondern stets zugleich eine Mahnung an unterlassene Arbeit, eine Mahnung an das Ganze und Tatsächliche der Situation ist. Der Teufel überhaupt ist nüchtern. Er stützt sich stets auf das, was isJ, und haßt das, was sein soll. Damit aber wirkt er, wo die oberen Kräfte im Menschen frei bleiben, mittelbar zum Rechten. Aus diesem allem mag es sich erklären, daß mein Verhältnis zu meinem Hausteufel zeitweise eine fast gemütliche Färbung annahm: er war immerhin ein Wesen, das unverstellt und offen seiner Natur gemäß handelte, und das man deswegen nicht hassen, sondern höchstens zähmen oder unschädlich machen durfte. Er hatte bei aller unzweideutigen Bosheit etwas, das ich beinahe gutmütig nennen möchte; denn nichts, was seinen Charakter klar und unbekümmert offenbart, kann der Mensch ganz und gar verwerfen. Der Dämon ward schließlich in gewisser Weise zum Gesinde des Hauses gezählt, als ein koboldischer Spiritus familiaris, dem es oblag, das Böse derb und eindeutig zur Geltung zu bringen, damit es im Bilde des Ganzen nicht fehle und nicht vergessen werde. Er lieferte den Schatten zum Licht. Er war nicht reiner Eindringling, er hatte ein Bürgerrecht od7 r? im Haus, er gehörte dazu, wie Loki zum Haushalt der Asen. W enn das ,,Beknurren des Guten und Schönen" (Faust I, zweite Studirrzimmerszene) seine Arbeit war, so war nicht zu leugnen, daß er sie treu und redlich verrichtete. Am Hausherrn lag es, ihm in geeigneter Weise entgegenzutreten. Das durfte nicht so geschehen, daß er ihn vor die Türe zu werfen versuchte, sondern er mußte ihn an die Kette legen und ihn dann unschädlich zu machen suchen. Das konnte nur so erfolgen, daß er ihn als Warner nahm, als Mahner, sich um das Böse im Hause ernsthaft zu kümmern; daß er Heiliges nicht unschicklich aussprach; daß er sich in keine unbegründete Sicherheit einwiegen ließ; daß er nicht jede leichte Seelen- 29

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