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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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tung, sondern darin, daß der Geist diese Verknotung nicht versteht. Als Ursache dieses Nichtverstehens ergab sich dann die Intransigenz, das schroffe Selbstgenügen, das der Geist sogleich bei seinem Erwachen im jungen Menschen zeigt. Aber die Ursache dieses Selbstgenügens? Hier ist, wie mir scheint, das Blickfeld verstellt. Denn mit Menschengedanken ist nichts anderes aufzufinden, als daß dieses Selbstgenügen mit Notwendigkeit auftritt. Wo sollte eine Möglichkeit liegen, daß der erwachende Geist sich nicht sofort zum Anfang und Ende, zum Gesetz, ja zum alleinigen Sein aufwirft? Er kann nicht anders, als ewig „Ich46 zu sagen. Woher sollte ihm beim Erwachen ein „Wir" oder ein „Du" kommen? Indem der Geist sich sogleich beim Auftreten als einen Punkt („Ich") nimmt, ausdehnungslos, beziehungslos, zeitlos, unentstanden, ohne Pflicht, nur Gesetz und reines Sein - begeht er ein nach Menschenurteil Unvermeidliches; er erfüllt ein Schicksal von weither. Er ist, wenn er geboren wird, unentrinnbar Rebell, und das Schicksal, in das er eintritt, hat nur den Sinn, ihn zum Gehorsam zurückzubringen. Denn der Geist im Menschen ist nicht Urheber seiner selbst, ist nicht Beginn und eigenes Gesetz, ist nicht Alleinsein und Selbstgenügen. Sondern er ist abgeleitet aus der Fülle des Geistes; die Bindung, in die er gestellt ist, unterliegt nicht seinem freien Urteil, sie ist ihm als Pflicht auferlegt. Das Ideal seiner Reinheit besteht nicht in der selbstgewählten Herauslösung aus den Verknüpfungen, es besteht nicht im eigenmächtigen Loslassen der Natur, sondern es besteht im umfänglichen Gehorsam, in der Erfüllung seiner Pflicht, die ihm den Weg durch die Bindungen hindurch, nicht um sie herum vorgeschrieben hat. Ist für den sich selbst genügenden Menschengeist kein irgendwie geartetes Eingehen auf den dunklen, stofflichen Partner denkbar, so ist erst recht kein Gesamtgeist denkbar, der nicht auf den Stoff eingeht. Geist, der nicht schafft; Geist, der nicht Liebe ist; Geist, der eine tote Masse unter sich ruhen läßt; Geist, der nicht alle Räume des Seienden wirkend durchdringt; Geist, der sich spart, einschränkt, zurückhält, der sich wohl gar vor der Materie fürchtet - hält dieser Gottesbegriff der Gnosis (auf den sich alles Selbstgenügen des Menschengeistes insgeheim bezieht als auf die obere Heimat, die durch Zerstörung der Verknotung zu erringen ist) hält dieser Gottesbegriff vor irgendeiner menschlichen Denkweise im 26

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