Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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der Geist überhaupt noch ein Gefühl für seinen Wert hat, kann es sich nur in der Vernichtung, also auf radikal ,,böse" Weise, betätigen. Es sei denn, daß das Nichtverstehen der Verbindung hintennach noch beseitigt würde. Die Frage ist, wie es zu diesem Nichtverstehen kommt. Denn hier liegt offenbar der Angelpunkt des ganzen Konflikts: er hegt nicht in der Verknotung an sich, wie oben vorbereitend gesagt wurde, sondern darin, daß der Geist diese Verknotung nicht versteht und deshalb vor ihr scheut. Wie kommt aber dieses Scheuen, dieses Nichtverstehen zustande? Es kommt so zustande, daß der Geist beim Erwachen sogleich bei sich anfängt und aufhört, sich zum Ausgangs- und Endpunkt, zur Forderung und zum Maßstab macht, daß er sofort sein großes analytisches Verfahren beginnt und daher immer nur sich, nicht die Welt gewinnen kann. Wie sollte er nicht? Er findet ja zunächst nichts Haltbares vor außer sich. Er muß sich an sich halten, weil er nicht anders kann und darf. Gesetz, Urteil, Maßstab ist ja nur bei ihm. Führung, Wertung, Billigung und Verwerfung, Leben, Ordnung, Bewußtsein - alles das gehört ihm allein. Es ist ihm Aufgabe oder vielmehr Wesen, Heblos zu sein; er darf nicht einmal den Versuch unternehmen, das Gärende, Dunkle, unbehilflich Lastende um ihn her zu verstehen. Er hat nicht Intransigenz, sondern er ist Intransigenz. Er ist, ob auch ins tiefste Leiden gestürzt, lauter Selbstgenügen. Wie sollte er dazu kommen, sich mit jenem dunklen Element zu vertragen? Etwa aus Rücksicht auf das Leben? Aber was liegt ihm am Leben? Ist das Leben gegen des Geistes Gesetz, so muß es ohne eine Sekunde Zögerns verworfen werden. Jugendliche Todlust ist das Verwerfen des Lebens aus dem intransigenten Selbstgenügen des eben erwachten Geistes. Sie ist das erste klare Ergebnis des Idealismus, sie ist seine Zusammenpressung zu giftiger, todbringender Dichtigkeit. Geist, auf sich selbst gestellt, muß unausweichlich in radikales Nichtverstehen der großen Verknotung fallen. Er ist das einzige wirkliche Intransitivum, das es gibt, er muß die Bindung rückgängig machen und das Ideal seiner Reinheit durch die Wiederherstellung der uranfänglichen Trennung buchstäblich verwirklichen. Von hier aus muß aber nochmals ein Schritt zurück getan werden. Der Angelpunkt des Konflikts, woirde gesagt, liegt nicht in der Verkno- 25