Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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reißt? Liegt die jugendliche Todlust demnach auf derselben Linie, wie die Absage der Gnosis an die Vermengung von Geist und Stoff? Kommt sie aus einem Reinbleibenwollen des Geistes, der die Tatsache der Schöpfung nicht anerkennen kann, weil ihr auf Schritt und Tritt die unschickliche, vernichtende Verknotung von Geist und Materie zugrunde liegt? Der Geist wacht in einem jungen Menschen auf, wie Einer, der in einem Palast schlafen ging und in einem finsteren Verlies voll Ekel und Unflat wieder zu sich kommt; fortan geht sein ganzes Trachten darauf, den Ausgang zu gewinnen. Die jugendliche Todlust würde also ihre Quelle darin haben, daß der Geist die Verbindung mit Leib und Welt nicht anerkennen kann. Er läßt die Natur los, um seinen Heimweg zu suchen. Dadurch entfesselt er aber zugleich in der sich selbst überlassenen Natur die große Zerfallstendenz; denn die vom Geiste losgelassene Natur kann nichts Anderes tun, als auf dem kürzesten Wege ins Anorganische stürmen. Mit der Absage an die Verbindung treten also gleichzeitig zwei Todestendenzen auf und bringen das Gebäude bis zu den Grundfesten ins Wanken. Ich glaube, daß das, was hier in Fragen ausgebreitet wurde, tatsächlich schon die mir mögliche Antwort enthält. Das heißt zunächst, daß das Anstößige, der Grund des Konfliktes in jener Verknotung von Geist und Materie liegt und daß dies eine Verknotung von echten, wesenhaften, nicht etwa bloß in der menschlichen Betrachtungsweise auftauchenden Kontrasten ist. Andernfalls könnte sich die Befremdung des Geistes vor diesem andern, naturhaft-stofflichen Element nicht so unzweideutig äußern, wie es die Jugend immer wieder erfährt; eine Befremdung, die vom bloßen Staunen und Betroffensein bis zu Schrecken«, Abscheu, Ekel und Grauen alle möglichen Grade durchläuft. Unzweifelhaft persönlich tritt der Geist eines Tages im jungen Menschen auf, unzweifelhaft persönlich verhält er sich in der Auseinandersetzung mit dem unbekannten Partner, den er hart neben sich vorfindet, oder mit der Situation, in die er sich hineingestellt sieht. Er äußert sogleich bei seinem Auftreten Ansprüche, Bedürfnisse ganz bestimmter Art, und sie sind von allen Ansprüchen und Bedürfnissen, die dem jungen Menschen bis dahin geläufig waren, grundsätzlich verschieden. Mir wurde das in meinem achtzehnten Lebensjahr eines Tages deutlich durch die Betrachtung eines gefüllten Wasserglases, das vor mir auf dem Tische stand. Ein Sonnenstrahl von 23