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KC-Mitteilungen · 1930-01-10 · Heft 1 (10.1.1930) · p. Seite 6

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1930
Issue
Heft 1 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Trugbilder, wälzt sich im Fieber eines schillernden Verfolgungswahns. Sehr mit Recht weist Coudenhove- Kalergi darauf hin, daß dieses selbe Deutschland am eigenen Leib gespürt hat, wie schwer und wuchtig der ungerechte Kollcktivhaß ein Volk bedrücken kann. Was die Welt im Kriege an Deutschland gesündigt, das sündigt Deutschland nun gegen feine jüdischen Mitbürger. Wie man Deutschland in der Welt gehaßt um seiner vorstrebenden Tüchtigkeit halber, so haßt man in Deutschland den Juden just seiner guten Eigenschaften wegen. Es erscheint geradezu als eine Frage deutscher Intereffenwahrung, denselben Geist zu bekämpfen, der den Bazillus des Deutschenhasses wie des Judenhasses in die Welt sendet. Deutschland reinigt sein eigenes Laus, wenn es sich vom Antisemitismus reinigt. Die Gerechtigkeit, die es von der ganzen Welt verlangt, möge es im eigenen Lande üben! Wenn sich die Aufmerksamkeit eines „nationalen Teutobardcn" einmal in die Zeilen des Grasen Coudenhove- Kalergi verirrt, wird es ihm dämmern, daß Vaterlandsliebe und Iudenfeindschaft nickt, wie bisher gewähnt, eine untrennbare Einheit bilden? Vielleicht aber behütet ihn Wotan überhaupt vor solcher Verirrung. Die Gemeinschaft. Jüdische Reformideen in Köln.—Ein Gedenkduch. Das jüdische Leben, das in Westdeutschland in früheren Iabren keine allzu starken Impulse hatte, beginnt seit einiger Zeit auch dort zu größerer Regsamkeit zu erwachen. Es rundet sich in diesen Tagen ein Jahr, seit in Köln eine Bewegung ins Leben trat, die sicherlich in den verschiedensten Lagern jüdischer Weltauffassung stark umstritten wird, aber immerhin darum begrüßenswert ist. weil sie eine vom ehrlichen Wollen beseelte jüdische LebenSänßerung darstellt. Im Januar 1929 konstituierte sich zu Köln unter Vorsitz von Walter Blank: „Die Gemeinschaft. Vereinigung für fortschrittliches Judentum. Ihre Ziele sind mit dem Ausdruck „Fortschritt" aber nur sehr blaß angedeutet. Sie streben über den bisher gepflegten „Liberalismus" hinaus, wollen feine Vertiefung und Entwicklung zur durchgreifenden Modernisierung. Man macht oft dem Liberalismus zum Vorwurf, daß er weit auseinanderstrebenden Begriffen, wie Tradition und Neuzeit. gleichmäßig sich zu verklammern suche. „Die Gemeinschaft will mit entschiedenem Ruck das Schiff des Judentums, vom Lande der Antike stoßen und ihm die freie, vorwärts treibende Fahrt zur modernen Gestaltung sichern. 6° wachsen ihre Bestrebungen zusammen mit den Wünsche." der sogenannten „Reformgemeinden". Einen Einblick i" das Wollen der ..Gemeinschaft gibt eine Denkschrift, die vor einiger Zeit herausgebracht worden ist. Sie wird eingeleitet durch ein Begrüßungswort von Claude S. Montesiore und bringt dann die Ansprache, die Walter Blank bei der Gründungsversammlung gehalten hat, sowie das Lauptreferat des Gründungsabends, gehalten von Bruno Wohda. Der Referent weist auf die zukunftsgebundene Aufgabe des Judentums hin, die uns verpflichte, weniger auf das Woher, als auf das Wohin des Judentums au achten. Nicht das Gesetz der Religion bilde ihr Wesen, sondern ihr Geist, der sich außerhalb lebloser Formalität entwickle. Neue Formen seien notwendig, wenn die alten uns nichts mehr zu sagen wüßten; Formen sollten wir suchen, die Weg* weiser für die Gesinnung des Judentums seien. Das Lest bringt ferner u. a. den Vortrag des Predigers Karl Rosenthal, der die wahre Sabbatt-Idee in Gegensatz stellte zu ihrer starren Einschmiedung in ein bestimmtes Wochendatum. Die rein nationalen Bestandteile des Judentums, wie auch die alte hebräische Sprache, gehörten nickt zum Wesen der Nation und vertrügen sich mit der kulturgeschichtlichen Entwicklung nicht. Das rituelle Speisegesetz sei keineswegs anders zu beurteilen. Die ZcilgemLßheit müsse der Leitstern jüdisch-religiöser Erziehung werden. Einige Schlußbemerkungen von Claude S. Montesiore sind erwähnenswert. Der Sinn des Judentums fei Leben; und das heiße Entwicklung. Darum mutz und soll daS Judentum inS heutige Leben steigen, denn jede Religion beanspruche daS gesamte Leben. Die Wahrheit und der Dienst an ihrer Verbreitung bedinge auch, daß zuweilen manche Form geändert werde. ES handelt sich um recht durchgreifende Reformen, die von Köln auS daS Judentum zu gewinnen trachten. Wieweit sich ein Erfolg erreichen läßt, bleibt adzuwarten. Der Kampf der ..Gemeinschaft" richtet sich aber nicht allein gegen die Tradition, sondern im gleichen Maße siegen den IndifferenkismuS. und um deffentwillen werden ihr viele beipflickten. die ihrer sonstigen Werbung nicht zu folgen vermögen. Sekanntmachnngen der G. A.-Ghrenratsksmmisflon Shrenratsurtett. (Auszug) 3n dem Ehrenratsverfabren gegen Kbr. E. Kat der G. A.-Ekrenrat in der Sitzung vom I.». Dezember 10211, an der als Edrenrichter reilgenommen Kaden 1. «..41. Dr. Erich Stern tAd.-Sii.. Ghib.. Aid.), als Vorsitzender. 2. Dr. med. Benno Rosenkranz »Frlb.. Rd.-Val.i, :r. Amtsgerichtsrat Martin Nosentdal tFrid.Spr.), folgendes Artest gefällt: I. Der Beschuldigte wird freigesprochen. II. Das Urteil ist mit Begründung, jedoch unter Weglassung der Namen der beteiligten Personen und Verbände. in einem vom Ehrenrat noch feslzustellen* den Auszuge im öffentlichen Heft der K.E.*Mit» teilungen zu veröffentlichen: dieser Abdruck if: der Preußischen Zadnärstekammer zn übersenden. 3». soweil wird das E. «.-Geheimnis aufgehoben. B e g r ü n d n n q. l. Der Allderrenverdand A. und der Landesverband B. haben einen Edrenrat gegen den Beschuldigten ..wegen beruflicher Anmoral und Schädigung des Verbandsinterestes" berufen. Sie werfen ihm vor. daß er ohne Befragung des «eichsverdandes der Zahnärzte Deutschlands mit Krankenkassen einen Vertrag absieschlossen habe, die ihrerseits sich zu derselben Zeit in einem vertraglosen Zustand mit dem «eichsverband befanden. Der Beschuldigte batte kurz vorher gegen sich selbst einen Ebrenrat ..wegen seiner standes- und wirtschastspolitischen Tätigkeit" berufen, den er als Anfliärungsedrenrat bezeichnet. Gegenstand dieses Verfadrens sind die Vorwürfe, die ihm der Landesverband B. wegen der Verträge mit den obe,»erwähn* ten Krankenkassen gemacht hatte. Di« G. A.-EdrenratSkomrniMon hat diese Ehren* räte zu einen» gemeinschaftlichen Verfahren verbunden und hierfür den G. A.-Edrenrat für zuständig er* klärt.

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