KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 daß jeder wenigstens die Ehrlichkeit des anderen anerkennen und den Kampf so führen möge, daß eine Diffamierung des Gegners unterbleibe. Dank diesen Mahnungen hat sich inzwischen eine ruhigere Beurteilung des Problems durchgesetzt. 2m Geiste einer besonnenen und sachlichen Prüfung hat sich nunmehr auch der Geschäftsführende Ausschuß des K. E. in feiner Plenarsitzung vom 26. Dezember 1929 i n Berlin mit der Angelegenheit beschäftigt. Gegenstand der Beratung war die Frage, ob die Förderung der Iewish Agency und die Beteiligung an ihrer Arbeit und an ihren Kundgebungen sich mit den weltanschaulichen Grundsätzen unseres Verbandes verträgt, insbesondere mit derdeutsch-vaterländischen Grundlage der K. E.-2dce und mit der ebenfalls in den Satzungen verankerten Ablehnung einer Lösung der Iudenfrage außerhalb Deutschlands. 2m Zusammenhang damit wurde die Frage erörtert, ob es angezeigt sei, von den Mitgliedern des Verbandes, evtl, auch nur von den in führenden Acmtcrn tätigen K. C.crn, zu verlangen, daß sie sich an den Kundgebungen für die Iewish Agency nicht beteiligen. Die Auffassung der Mitglieder des G. A. über den Charakter der Iewish Agency war nicht einheitlich. Die Meinungen hierüber standen sich in der gleichen Weise gegenüber, wie wir sic aus der allgemeinen inncrjüdischcn Diskussion des Problems kennen. Aus der einen Seite wurde geltend gemacht, daß das Palästinawcrk, so wie es von der zionistischen Organisation begonnen und nunmehr von der erweiterten Iewish Agency, mit Hilfe der Nichtzionisten, auf der Grundlage der Balfour-Dcklaratiön und des Völlerbundsmandates fortgeführt werden soll, eine rein jüdisch-nationale Angelegenheit sei, indem cs der Errichtung einer jüdlsch-nationalcn Heimstätte diene-, das Ziel sei d»e Schaffung eines jüdischnationalen Zentrums für die gesamte Iudenheit: die Nichtzionisten, die sich durch die jetzige neutrale .Fassade" zur Mitarbeit bestimmen ließen, leisteten in Wirklichkeit der national-jüdischen Bewegung Vorschub. Von der anderen Seite wurde entgegnet, daß man nicht berechtigt sei, dem Palästinawerk m seiner neuen Gestalt von vornherein den neutralen Charakter adzusprechen und es als national-jüdische Sache abzustempeln. Nachdem die erweiterte Iewish Agency zustande gekommen war. und zwar im wesentlichen bereits durch die Entschließungen der amerikanischen Iudenheit, habe es sich für die deutschen Juden um die Frage gehandelt, ob sie zu ihrem Teil es ablehnen wollten, in gleicher Weise die Verantwortung für da» Werk mitzutragen. Der Aufbau Palästinas sei den deutschen Juden ebenso wte den übrige»» Juden der Welt eine alte religiöse Pslicht. die sie tu der Gegenwart im Gefühl der Verantwortung für jüdische Not ganz besonders empfinden. Es sei deshalb ein Beweis starken jüdischen Fühlen», wenn zahlreiche deutsche Juden sich de»n Ruf zur Mitarbeit nicht entsagen, zunächst die Bedenken zurückstellen. die vielleicht hinsichtlich der Durchführbarkeit eines neutralen Palüstinawerkes bestehen, und. u»n sich nicht den Dorwurf der Pfilchtvergessendeit in wich, tiger Stunde »nachen zu müssen, wenigste»»» den Versuch tragen, da» gemeinsame Werk so au»zubauen, baß e» auch von Nichtzionisten ohne Opfer der Gesinnung gefördert werde»» kann. Wer in diesem Sinne an dem Werk« teilnehme. verdiene gewiß nicht den Dorwurf. daß er der K. E.-Idee. der nicht» Jüdische» fremd sein könne, zuwiderhandle. Selbstverständlich sei es die Pflicht der am Paläsltnawerk mitardettenden K. <5 .er. ihren Standpunkt »u wahren und etwaigen Versuchen. das gemeinsame Werk im Sinne national-jüdischer Parteipropaganda auszunützcn, rechtzeitig entgegenzutrctcn. Bei der Erörterung der ideologischen Grundlagen des ganzen Problems wurde noch darauf hingcwiesen, daß es verfehlt wäre, heute von einer einheitlichen zionistischen oder national-jüdischen Auffassung z»r spreche»», daß vielmehr im Kreise der Zionisteil die wichtigsten Grundprobleme in einer sehr bedeutsamen Entwicklung begriffen seien, ebenso wie dies in nnserem eige»»en Lager der Fall sei. Insbesondere sei nicht zu verkennen, daß heute die Gedankengänge des K. E. und des E. V. betreffend unsere positive Einstellung zur deutschen Heimat u»»d zur deutsche»» Kultur auch von einer großen Zahl deutscher Zionisten anerkannt werden, ebenso wie a»»dererseits unsere heutige Generation über die rein religiöse Gedankenwelt hinaus vo>» Probleinen berührt werden, die früher von uns »regiert wurden. A»»s der Tatsache, daß über die Möglichkeit best neutralen Charallcrs der Iewish Agency die Auf-» fassungen geteilt ffnd, ergab sich für den G. A.I von selbst die einmütige Folgerung, daß einerseits der K. C. als solcher sich einer Teilnahme an der Arbeit der Iewish Agency und an ihren Kundgebungen zu enthalten ha:, daß aber darüber hinaus keine Berechtigung vorliegt. denjenigen Mitgliedern des K.C. irgendwelche Schwierigkeiten zu bereiten,! die sich für eine neutrale Ansgcstalrnng des Palästinawerkes in» Nahmen der Iewish Agency einsetzen und in diesem Sinne daran »nitarbeiteir. Einstimmigleit bestand zugleich darüber, daß man von allen K. E.ern, die sich an der Arbeit der Ielvish Agency beteiligen, erst recht soweit es sich um führende K. C er ha»»delt. erwarten darf, daß sie — unter Fortsetzung der bereits eingeleileten Bestrebungen - dafür eintrete»», daß in allen Verlautbarungen der Iewish Agency und der ihr angegliederlen Organisationen der weltanschaulichen Neutralität unbedingt Nechnung getragen wird und daß sie. »vo dies nicht zu erreiche»» ist oder »vo el»va ein Mißbrauch zu »»atio»»al-jüdischen Parteizweeken erfolgt, ihre Teilnahine adlehnen. Es ist zu wünschen, daß durch die Stell»»,»gnadme des G. A. die rnannigsachen Mißverständnisse ans. geräumt werden, die auch in unseren Neiden zur Palästinafrage entstanden sind. Es wäre. gerade in dieser bedrohlichen Zeit, nicht z»»»n Segen des K. E.. »venn et»va dieses innerjüdische Prodlen» ohne Not in unsere»»» Verbände zun» Gegenstand des Streites und der Entzweiung würde. Dr. David K r o in b a ch (Thur.), Essen. |lod) einmal: Uerdlndurrtzsberichte. Von Paul .Herz (Nh. Sil.t l. 2staS der Semesterbericht einer Verbindung in» K. C. nicht sein foll? Eine Darstellung de» Vergnügu»»gSprogra»n»n» eine» indifferenten Verein», ein Brechreiz und Uedelleit erzeugende» Gulasch von schadlonenhasten Redensart«»», ein Sammelsurium von Feuchtfrödlichkeit. gelange»»«»»» Esdummel. straminern Vrrbindung»detriebhar»,»o»»isch verlaufene»» Pauttag. Damenkneipe. Chargieren. Nadeleraednt» und derlei Dingen mehr, ein »chamhafte» Verhüllen und Verschleiern der tatsächlichen Verhälr»»iffe mit d«»n adaeschiiffenen Deckmantel von vor Alter glänzenden Redewendungen. der längst schon auf die Bodenkammer, wo sie am höchsten ist. zu»n alten Gerll»,»pel hätte geschmissen werden müssen.