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KC-Mitteilungen · 1930-01-10 · Heft 1 (10.1.1930) · p. Seite 2

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1930
Issue
Heft 1 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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so fürchten, weil sie den (Seist der Verbindung untergräbt. Ja. es kann sogar Vorkommen, und ist schon vorgekommen, daß die neuen Bundesbrüder — manche sagen „zugczogenen Gäste", auf bayerisch „Die Eingcschmcckten" — die Oberhand bekommen, die Verbindung tyrannisieren und nach ihrem Witten regieren, manchmal sehr zum Mißvergnügen des A. H. V. der betreffenden Verbindung. Traurig ist nur, daß die zugczogenen Kartellbrüder meist gar nicht das Gefühl des Anrechts haben, das sie an der Verbindung begehen, in die sie „eingebrochcn" sind. Vielfach fehlt es am guten Willen zur Bundesbrüderlichkeit, und wenn man schon der Ansicht ist, daß man „nur" Kartellbruder ist, an dem Kbr nötigen Taktgefühl für den Gastfreund und an der Erkenntnis, daß man sich als Gast der Ordnung des Hauses, in das man eingekehrt ist, zu fügen hat. und daß man dann m i t den Gastgebern, nicht gegen sie leben muß. Jedenfalls sollte der „neue" Bnndesbruder mit allen Mitteln versuchen, sich anzupassen und dem neuen Bunde, in dem er sich jetzt befindet, anzugleichen. Oft schon haben mir Kartellbrüder, die ich fragte, weshalb ne eigentlich der Verbindung, zu der sie doch höchst freiwillig gekommen sind, gegenüber sich ans einmal ablehnend verhielten, geantwortet: „Ja. Ihr seht uns ja auch nicht als Bundesbrüder, sondern nur als Kartellbrüder an. wir sind ja keine Stamm» licaren!" Dann wird es auch bei der anderen Seile an der Zeit, sich an die Brust zu klopfen und zu sagen. Denn auch hier wird sehr häufig nicht der richtige Weg gestruden, um die früheren Kartellbrüder zu Bundesbrüdern zu machen. Vielfach kommt man den neuen Bundesbrüdern nicht genügend entgegen, vielfach auch siebt man sie in gänzlich unberechtigtem Stolze gar nicht als „echte" Bnndesbrüder an. Als ob es nicht ganz gleichgültig wäre, ob der eine oder andere, der null Bundesbrnder ist, seine erste Verbindungszeit in einer anderen Verbindung ver» bracht hat.' wenn er jetzt den ehrlichen Willen mit» bringt, seinen neuen Bundesbrüdern ein guter Zreund und Bundesbrnder zu sein! Als ob ilicht manch „zugezogener" mehr vom Geiste der neuen Verbindung beseelt gewesen wäre, als manch ..Ar.re"! Sollte man es für möglich batten, daß Alten Herren einer K. E.-Verbindung, die dieser schon viele Jahre angehören. gelegentlich von anderen Alten Herren dieser Verbindung gesagt wird: „Was willst denn Du. Du bist ja gar kein Stamm.re!"? Wissen diese „Btlndesbrüder" nicht, wie nabe iie sich da der antisemitischen Mentologie befinden, die s,e ja bekämpfen wollen und di« doch sagt, daß der Jude nicht Deutscher sein könne. Uttil er eben nicht del» tsch fühl c i* k ö n n e. Genau so sagen jene „Bnudesbrüder". kann ein aus einer anderen Verbindnng gekommener.re nicht ein echter.re fein, denn er nt ja „anderen Stammes". Merkst Du ekums. lieber ..Buudesbruder"!? So wird von beiden Seiten gesündigt am Geist der Buudesbrüberlichkeit. der doch eigentlich nur ein Teil ist des größeren Gemeinschaftsgeistes oder des Geistes der größeren Gemeinschaft, wenn Ihr es lo haben wollt, der Kartellbrüberlichkeit. And mir scheint manchmal, als wenn die Kartellbrüderlichkeit ihHi) das größere wäre, das was im weiteren Maße »nnb in d,e Herzen der jungen Kartellbrüder einzudämmern iit. Das Gefüdl der Bruderliebe, das Gefüdl zum Bundesbruder soll, wenn es überhaupt vorhanden iit und vorhanden fein will, naturgegeben fein, das Gefüdl der Kartellbrüberlichkeit aber soll entspringen aus der Idee unserer Gemeinschaft als einer Schutz- und Trutzgemeinschaft, in die man alle, gleich ob Bundes- oder Kartellbrüder, einschlicßen soll und keinen draußen stehen lassen soll und um Liebe betteln. Wer aber gegen dieses Gebot der Kartellbrüderlichkeit handelt, der verstößt gegen den Geis» der Gemeinschaft und gegen den Geist des K. E., der hat nie begriffen, um was es sich bei uns dreht und was uns von den vielen anderen studentischen Verbänden unterscheidet. And wenn mich die Ar .... ren, .... gen, .... sen und was weiß noch was auch darum verdammen mögen, ich stelle den Satz auf: „Wer kein guter Kartellbruder ist. wird auch kein guter Bundesbrnder sein!" Zer (5. A. zur Zervish Agency. „Die Icwish Agency ist ins Leben getreten... Es ist klar, daß, so reibungslos die festliche Gründnngstagung sich abgcwickelt hat. sich nun» mehr in der praktischen Arbeit des Alltags erst all die Schwierigkeiten äußerer und innerer Art zeigen werden, deren Bewältigung sich die neue Organisation zum Ziele gesetzt hat. Die Iewish Agency wird das sein, was ihre verantwortlichen Zührer aus ihr zu machen verstehen." Diese Schwierigkeiten äußerer und innerer Art, auf die ich in meinem Bericht über die Gründung der Iewish Agency in Heft 7 s der K. E.-Mitteilungen (Jahrgang 1929) hingewiesen hatte, haben sich inzwischen in einem bitterbösen Ausmaß eingestellt. Gleichsam als Echo der Züricher Tagung kamen aus dem heiligen Laude jene Schreckensnachrichten, die uns allzuschnell in die rauhe Wirklichkeit zurückführten und mit aller Eindringlichkeit klar machten, daß das jüdische Siedlungswerk in Palästina nur in friedlichem und freundschaftlichem Einvernehmen mit der arabischen Bevölkerung sich wird entwickeln und erkalten können, und daß in diesem Sinne eine gründliche Amstellnng der gesamten Palästinaarbeit dringende Aotwendig. keil ist. unter Abkehr von allen jenen Methoden verantwortlicher oder unverantwortlicher Stellen, die geeignet sind, die Gegensätze zu verschärfen und zn weiteren Katastrophen zn übersteigern.*) Zn diesen erschütternden äußeren Vorgängen haben sich allznbald auch die innerjüdischen Schwierigkeiten geteilt. Es sei festgestellt. daß zunächst zwar jeder, der nur einen Zünkeu für seine jüdische Gemeinschuft in sich spürte, durch die furchtbaren Ereignisse in Palästina irgendwie ergriffen und mit Mitgefühl erfüllt wurde. Dann aber, im Anschluß an den Ausruf der deutschen Zreunde der Iewish Agency zur „Hilfe durch Ausbau", einer Kundgebung, deren unter dem Eindruck jener Hiobsbotschaften im Eiltempo erfolgte Zormulieruitg auch nach der Auffassung vieler nichtzionistischer Hrennde des Paläktinawerles in einigen Wendungen wenig glücklich und mißverständlich ausgefallen ist. wurden die innerjüdischen Gegensätze im Kreise der deutschen Juden mit e»ner Leidenschaft lebendig und zum Teil in so maß und würdeloser KampfeSarl ausgetragen. daß die Mahnungen führender Körperschaften geboten tvareu zur Selbstbesinnung und zur Mäßigung, auf *) Es fei in diesem Zusammenhang der besonderen Aufmerksamkeit unserer Zrennbe die Schrift „Juden und Araber in Palästina. Zur Erkenntnis der jüngsten Vorgänge" von Dr. Alfred Wiener (Philo-Verlag) empfohlen.

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