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KC-Mitteilungen · 1929-12-01 · Heft 12 (1.12.1929) · p. Seite 107

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 12 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 gebreitet und vertieft. Daß man den behandelten Problemen auch an autoritativer Stelle gesteigerte Bedeutung zumißt, bewies das Erscheinen des Preußischen Kultusministers Prof. Becker, der als erster Redner zur Debatte sprach. Aus seinen Ausführungen klang ern weit optimistischerer Ton, als der Referent ihn angeschlagen hatte. Er hofft, daß die allmähliche Entwicklung den deutschen Studenten zum staatsbejahenden Bürger erziehen werde. Immer hätten die Studenten gegen das bestehende Regierungssystem Opposition gemacht; so wären z. B. unter dem alten Regime heftige Angriffe gegen den Kaiser erfolgt. Für die Bekämpfung der studentischen Mensur hält der Minister nicht so sehr Polizeimaßnahmen, als gesellschaftliche Aechtung für angebracht. Als Beispiel dafür führt er die Beseitigung des Duells in England an, das dadurch verschwunden sei, daß die Königin Viktoria sich weigerte, Leute, die sich geschlagen hätten, zu empfangen. — Die staatsbürgerliche Erziehung der Studenten müsse schon auf der Schule beginnen. — Die Errichtung von Studentenheimen erklärte der Minister für eine langjährige und wichtige Aufgabe des Staates, für deren Erfüllung leider augenblicklich kein Geld vorhanden wäre. Zum Schluß gab er seiner Enttäuschung über den Mißerfolg des von ihm zu Beginn seiner Amtszeit geschaffenen Studentenrechts Ausdruck.— Minister Becker erhofft eine Erneuerung des Akademikertums von einer neuen, auf besonderen Hochschulen ausgebildeten, Volksschullehrerschaft, die den republikanischen Gedanken ins Volk hinaustragen Vom Minister gebeten, sprach sodann Professor herkner, der im wesentlichen die Gedanken der Vorredner sich zu eigen machte, besonders aber die staatsrechtliche Vorbildung der Studienräte forderte. Professor Friedländer, der nächste Redner, forderte eindringlich die Unterstützung der proletarischen Studenten, besonders in ihrem ersten Studienjahr, wo sie bisher jeder staatlichen Hilfe entbehrten. Er warnte nachdrücklich vor der Gefahr des Nationalsozialismus, der heute schon 40 o/o der Studenten ergriffen habe. Er erklärte, daß auch weite Kreise des Freistudententums reaktionär eingestellt seien. Sodann ergriff Professor Ludwig Bernhard das Wort. Er teilte die Studenten in drei Gruppen ein: einmal in die immer mehr wachsende der Arbeitenden, zweitens in diejenige, die nach vier Semestern Nichtstun mit Hilfe eines Repetitors ihre Examina zu bestehen suchen; drittens in diejenige unglückliche Klasse, die von den politischen Parteien für ihre Zwecke mißbraucht werde. Aeber das Wirken des Ministers Becker sprach er sich dahingehend aus» daß wohl erst die Geschichte seine Verdienste zu würdigen wissen werde. Prof. Bernhard glaubt, daß die Hochschule sich allmählich entpolitisieren werde; er erklärte, daß die Professoren für die Republik ungefährlich seien. So habe er, als bei ihm auf Veranlassung des damaligen Polizei-Vizepräsidenten Dr. Friedensburg eine Haussuchung vorgenommen wurde, auch geantwortet: „Meine Herren Kommissare, Ihr Chef überschätzt die Macht der deutschen Professoren!" Der letzte Diskussionsredner des Abends, Staatssekretär Abegg, verlangte vom Staate mehr Energie bei der Bekämpfung der reaktionären Elemente der Hochschule. Er erklärte, daß man die unbotmäßigen Studenten durch Zwang zum Staate erziehen müsse. Die Staatsregierung habe in der letzten Zeit bereits bewiesen, daß sie energisch durchzugreifen im Stande wäre. Es sei zu hoffen, daß fie diese Haltung beibehalten werde. Gin geisteskranker Hochschullehrer. An der Berliner Universität hatte schon seit geraumer Zeit der Dozent der deutschen Rechtsgeschichte, Prof. v. Möller, unliebsames Aufsehen erregt durch gelegentliche antisemitische und republikfeindliche Ausfälle. Man hatte ihn nie recht ernst genommen, aber bedenklich wurde es doch, als er seinerzeit in den Konflikt der Studentenschaft mit dem Kultusminister eingriff und von öffentlicher Lehrkanzel herab gegen Minister Becker wüst polemisierte. Er gestattete sich dabei Ausdrücke wie: „Auf der einen Seite steht die gesamte Professoren- und Hörerschaft, soweit sie christlich ist, auf der anderen Seite steht ein Mann, der auch kein Halbgott ist." Ferner forderte er die Studentenschaft auf, sich gegen alles, was nicht deutsch und christlich sei, wieder zusammenzuschließen, und erklärte alle die, die anderer Meinung seien, für unwürdig, sein Kolleg weiter anzuhören. Einigen Studenten, die seine Vorlesung unter Protest verließen, rief er nach» es sei nicht schade drum. Diese Vorgänge führten zur Suspendierung und Einleitung eines Disziplinarverfahrens. In diesen Tagen hat nun der Diszipliuarsenat am Kammergerrcht den Professor v. Möller freigesprochen, weil durch medizinische Gutachten erwiesen sei, daß der Schimpfprofessor den Schutz des 8 51 StGB, genieße. Es ist wohl selbstverständlich, daß die akademische Lehrfreiheit einem Manne nicht weiter zugebilligt wird, dessen Unzurechnungsfähigkeit gerichtsnotorisch geworden ist. Uebrigens haben seine Hetzvorlesungen zum Schluß ohnehin nur noch die besucht, denen es nichts verschlägt, von einem Geisteskranken traktiert zu werden. Interessant jedenfalls, wie nahe bei der völkischen Phrase der Irrsinn wohnt. Hoch schul arrtisem itis MUS in Somjel-Rußland. Zu den berüchtigsten Produkten der antisemitischen Sudelküche gehört die Redensart vom „jüdischen Bolschewismus". Dieses Schlagwort zielt ganz offensichtlich darauf ab, den nach allen Richtungen hin Minderbemittelten aufzuschrecken und in die „stützenden" Arme der Nationalsozialisten zu treiben. Leider gibt es auch eine genügende Anzahl geistiger Kleinbürger, die die aufgeti'schte Schauermär für lautere Wahrheit nehmen. Wären diese gläubigen Seelen mit ein klein wenig stärkerem Willen zur Objektivität und ein klein wenig besserem Vermögen zum Nachdenken begabt, dann würden auch sie erkennen, was jedem Einsichtigen längst bewußt ist, daß nämlich die Juden ihrer ursprünglichen Wesensart nach viel eher zum Traditionellen, Bodenständigen tendieren als zum umwälzenden Radikalismus. Hätte das Judentum nicht mit so unendlich zäher Verklammerung an lernen Geboten und Gebräuchen festgehalten, so wäre seine religiöse Kultur längst auf einer seiner zahlreichen Irrfahrten als Strandgut zurückgeblieben. Wenn die-Juden sich im übrigen von ausgesprochener reaktionärer Denkart freigehalten haben, so kann das nie ein Vorwurf sein. Ihre angeblich so starke Beteiligung bei der ultraradikalen Linken trifft aber im behaupteten Ausmaße keineswegs zu, und würde überdies noch zu erklären sein aus der Verbitterung der stets Zurückgesetzten. Mit solchen Aeberlegungen darf man an die nicht herantreten, die man nicht mit allzu hohen geistigen Anforderungen behelligen soll. Vielleicht überzeugen aber Tatsachen, und zwar solche Tatsachen, die der Wahrheit von der anderen Seite her näherkommen. Es zeigt sich nämlich, daß nicht alle Kommunisten Juden sein können, denn es gibt

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