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KC-Mitteilungen · 1929-12-01 · Heft 12 (1.12.1929) · p. Seite 106

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 12 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 des Republikanischen Studentenvereins. Daraus muß sich ja Wohl tödliche Studentenfeindschaft ergeben. In Wirklichkeit ist auch für diese Demonstration der wahre Grund in der unversöhnlichen Feindschaft zu suchen, die gerade umgekehrt gewisse Studentenkrcise gegen den Minister und den von ihm repräsentierten Staat empfinden. Interessant wie die antirepublikanische Presse auf die Krawallszenen reagierte. Ignorieren konnte sie sie leider nicht; dafür hätte sie ganz gern die Dinge so dargestellt, als ob die Juden ungeachtet ihrer Minderzahl die Angreifer gewesen wären. Das bringt auch die „Deutsche Akademikerzeitung" wirklich fertig. Sie behauptet, die „dauernde Hetze der Linkskreise gegen die Deutsche Studentenschaft" habe eine tiefgehende Erregung geschaffen. die eben „zu einer Exvlosion führen" könne. Die arme, gehetzte Deutsche Studentenschaft! Muß man nicht angesichts solch beweglicher Klagerufe glauben, das Studieren an deutschen Universitäten sei eine unerträgliche Qual geworden für jeden völkischen Helden? Will man ernsthaften Leuten wirklich weißrtiachen, daß eine genau vorher berechnete Gewaltaktion etwa der spontanen Erregung des Augenblicks entsprungen sei? Wie ein blutiger Hohn auf die Vernunft lesen sich Sätze wie der folgende: „haben aber die deutschen Studenten die Ziele, die die Linkskreise mit der Provokation dieser Unruhen verfolgen, erkannt, dann ist es ihre Pflicht, sich nicht provozieren zu lassen, in eiserner Disziplin solchen Provokateuren entgegenzutreten und die . Ruhe an den Hochschulen zu wahren." Gewöhnlich schreit der am lautesten „Haltet den Dieb", der es am nötigsten hat, die öffentliche Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Die übrige Presse in diesem Lager verfolgt eine anüere Methode, über die Peinlichkeiten der Affäre hinwegzukommen. Sie svricht so allqemeinhin von ..Zusammenstößen", auf Grund derer die Polizei ins Haus gekommen sei. Und nun hakt sie bei dieser Stelle fest und ergeht sich in juristischen Betrachtungen über das Recht der Polizei, akademischen Boden zu betreten. Das ist weiter nichts als ein Davonlaufen vor dem eigenen Gewissen. Statt die Skandale selbst zu erörtern, behandelt man die Aktionen, die diese Skandale bereinigen sollten. Wenn man unter der Einwirkung derartiger selbstgewählter Scheuklappen absichtlich an den Problemen vorbeisieht, verliert man jeden Anspruch, ernst genommen zu werden. Was man dabei im Einzelnen über das Eingreifen der Polnei zu sagen weiß, bricht ohnehin beim ersten kritischen Blick zusammen. ..Akademischer Boden sei entweiht worden!" Wodurch? Kann überhaupt irgend ein Boden „entweiht" werden, weil ihn die berufenen Organe des Staates betreten? Eine sehr schmeichelhafte Verbeugung vor dem Gedanken der Staatsautorität. fürwahr, ausgeführt von den Kreisen, die am ehesten nach einer starken Staatsgewalt rufen. Schon gut, wir wissen schon.... „und der König absolut, wenn er uns den Willen tut". Wenn hier überhaupt jemand ein Sakrileg begangen hat, dann sind es die Leute gewesen, die sich in der Universität derart benommen haben, daß die Staatsgewalt gegen ihre Zügellosigkeit mobil gemacht werden mußte. Ganz abwegig ist auch das Gerede von verletzter „akademischer Freiheit". Akademische Freiheit, das kann doch nie bedeuten, Immunität gegen den Zugriff des Gesetzes. Es ist einfach lächerlich, gestützt auf ein imaginäres Sonderrecht, zu behaupten, in den Räumen der Universität habe die bürgerliche Staatsgewalt kein Funktionsrecht: als ob der Staat da aüfhöre, wo seine Führer herangebildet werden sollen. Die Universität ist nicht exterritorial, der Student nicht le§ibu8 sb8o1u1u8 wir haben keine Rampe in unserer Universität und wünschen nicht vom Rampenfieber angesteckt zu werden. Die Lächerlichkeit wird zu einer Tragödie des Intellekts, wenn dieses falsch verstandene Freiheitsrecht noch mißbraucht werden sollte für die Unantastbarkeit des Flegeltums, und man nicht einmal dann die Staatsgewalt ins Haus lassen wollte, wenn sich dort drinnen entfesselte Radauhordeu austoben. Akademische Freiheit und Rüpelfreiheit ist Gott sei Dank noch nicht dasselbe! Wenn wir vom Standpunkt des ordnungsliebenden Staatsbürgers aus das Verhalten der Polizei kritisieren wollten, dann wäre nur eins zu bemängeln, daß nämlich die Polizei sich gewissermaßen entschuldigt hat, daß ihre Leitung erklärt hat. sie habe geglaubt, vom Rektorat gerufen zu sein. Und wenn sie nicht gerufen wird? Genügt es nicht, das; die Polizei mit eigenen Augen sieht, was vorgeht, und ist nicht Grund zum Einschreiten immer und überall dann gegeben, wenn die öffentliche Ordnung, Ruhe, Sicherheit gefährdet ist? Für diesmal ist der Sturm vorbeigebraust. Man möge sich — und das sei jedem gesagt — hüten vor der Gefahr einer schläfrigen Selbstsicherheit. Hoffentlich erkennen unsere Behörden die Notwendigkeiten der Stunde besser als es in anderen Ländern geschah. Der Berliner Rektor hat ja selbst verspürt, welch unedlen Geistes Kind die völkische Elitegarde ist; auch seiner ehrwürdigen Person ist ihr unflätiges Wort zu nahe getreten. Hier gilt als einziges Mittel der Propbhlaxe nur ein: Zupacken! Schwächliche Nachsicht vergrößert die Gefahr; wer nun noch zaudern will, dem möchte man, wie Mephisto dem Faust, zurufen: „Dein Zagen zögert den Tod heran!" Konkret und klar gesagt: Wer an deutschen Universitäten die Saat feiger Brutalisierung streut, der sät den Todeskeim in ihren Fluren. Fort mit dem Giftkraut, fort mit dem schlechten Gärtner, der es vflanrte! Ein Student, der sich gegen § 242 StGB. (Diebstahl) vergeht, wird des Akademikerrechtes quitt erkannt. Was geschieht mit einem Studenten, der gegen § 223 (Körperverletzung) verstößt? R. H. Student und Staat. Diskussionsabend über Friedensburgs Ausführungen. Minister Becker ist zuversichtlich. Die Diskussion über das Thema „Staatsbürgerliche Erziehung des deutschen Studenten" ist durch die bekannten, von uns in voriger Nummer kommentierten Ausführungen des Regierungspräsidenten Friedensburg in lebhaften Fluß gekommen. Bald nach Erscheinen seines Aussatzes im Tagebuch hat Regierungspräsident Friedensburg in einer Veranstaltung im Demokratischen Klub. Berlin, die gleichen Gedankengänge, die er schriftlich niederqeleqt hatte, vor einem interessierten Hörerkreise mündlich aus- DENKT BEI FREUDIGEN UND TRAURIGEN ANLASSEN DES K. C.-HltFSFONDS

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