KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (1.12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 im gelobten Lande des Bolschewismus, in Rußland, richtiggehende kommunistische Antisemiten. Schon seit geraumer Zeit berichtet die Tagespreise von stets wiederholten Ausschreitungen kommunistischer Arbeiter gegen jüdische Vorgesetzte und Arbeitskollegen, ja man hört von regelrechten Judenpogromen, die in Dörfern und Städten begangen werden, und zwar unter hervorragender Beteiligung bolschewistischer Kreise. In vielen Fällen ist es sogar der Ortssowjet selber, der zu blutigen Exzessen aufruft. Man behauptet auch, daß unter den mannigfachen Flüchen, die gegen das Haupt des verbannten Trotzki geschleudert wurde,!, das Schimpfwort „Iudenjunge" nicht das seltenste gewesen sei. Das Zarentum ist gemordet, aber sein Schrittmacher von einst, der Pogromantisemitismus, erhebt überall im Sowjetreich wieder drohend das Haupt. Es fehlt in diesem Reigen nichts, was heutzutage zum modernen Antisemitismus gehört, auch nicht die Forderung nach akademischem {numerus clausus. Die „Ita" berichtet hierzu: „Eine in Kiew abgehaltene Versammlung kommunistischer Studenten stellte die Forderung auf, daß für jüdische Hörer an den Sowjet-Hochschulen ein numerus clausus eingeführt werde. Diese Forderung stützt sich auf einen in einer Sitzung der kommunistischen „Zelle" der Kiewer Aniversität diesbezüglich gefaßten Beschluß. Die Moskauer kommunistische Presse ist sehr erregt darüber, daß man solche Forderungen im Sowjetreich zu erheben wagt. „Trud" schreibt, daß im Kiewer Rayon der Antisemitismus unter der Studentenjugend, auch der kommunistischen, sehr verbreitet ist." Dieser einzelne Fall kommunistischer Iudenfeindschaft ist in Wahrheit alles andere als ein Einzelfall. Wird er die Legende vom jüdischen Bolschewismus zerstören helfen? Ans anderen Verbanden Die voUrsparteUicherr Studenten verlassen die »»Deutsche Studentenschaft". Auf einer Sitzung der deutsch-volksparteilichen Hochschulgruppen von Nordwestdeutschland, der Delegierte von 15 deutschen Hochschulen beiwohnten, wurde beschlossen, eine weitere Betätigung in der Deutschen Studentenschaft in ihrer heutigen'Form abzulehnen. Eine Mitarbeit kommt nur in Frage, wenn die Deutsche Studentenschaft in der Koalitionsfrage und im groß-deutschen Gedanken den Antisemitismus ausscheide. Der Kösener K.C. betaut seine unpolitische Haltung. In Nr. 7. der „Deutschen Corpszeitung" erläßt der Gesamtausschuß des Verbandes alter Corpsstudenten in Gemeinschaft mit dem derzeitigen Vorort des H. K. S. C. V. folgende Erklärung: „Die §8 3, 5 der Satzung des Verbandes und 8 43 der Kösener Statuten schließen die verbandsmäßige Beeinflussung oder gar Bindung unserer Mitglieder sowie Einzelglieder (Bezirksverbände) in politischen Angelegenheiten aus. Das jetzt eingebrachte Volksbegehren ist eine solche politische Angelegenheit. Infolgedessen lehnen wir eine Stellungnahn,e für oder gegen das Volksbegehren ebenso wie den Beitritt zum Ausschuß für dieses Volksbegehren ab. Die gleiche Haltung einzunehmen sind nach unseren Satzungen die Bezirksverbände alter Corpsstudenten und die CC. verpflichtet." Die Folgen haben sich bereits gezeigt. Der Kösener S. C. zu Kiel, dem die Korps „Holsatia" und „Saxonia" angehören, hat seinen Austritt aus der Freien Kieler Studentenschaft, die sich aus der Deutschen Studentenschaft nach deren Auflösung als stärkste Gruppe entwickelt hatte, erklärt mit der Begründung, daß sich die Freie Kieler Studentenschaft durch einen Aufruf, in dem sie ihre Mitglieder zur Einzeichnung in die Listen des Volksbegehrens aufgefordert hatte, einseitig politisch festgelegt und damit die seit ihrer Gründung verfolgte Bahn, eine lediglich hochschulpolitische Organisation darzustellen, verlassen habe. Die Burschenschaften hingegen haben eine Erklärung gefaßt, die dem Volksbegehren zustimmt. Allerdings ist die Zahl der Burschenschaften, die sich bei der Abstimmung gegen den Anschluß an den Ausschuß für das Volksbegehren ausgesprochen haben, eine immerhin beachtliche Minderheit. > —i Verbandsnacfiricfiten L (Die „Verbandsnachrichten" für die nächste Nummer sind einseitig beschrieben bis spätestens 15. Dezember 1929 an die Schriftleitung einzureichen.) Sprebia, Berlin. Wir beendeten das in kleinerem Kreise harmonisch und erinnerungsreich verlaufene Sommersemester mit dem üblichen Schlußkonvent, der den Chargen und Wartschaften in Anerkennung ihrer Tätigkeit die Klammern verleihen konnte. Dann fanden wir uns nochmals zur Schlußkneipe in froher und freudiger Laune in unserm behaglichen Heim ein; froh über das so gut überstandene Verbindungssemester, freudig in der Hoffnung einer regen Ferientätigkeit, die dann in vollstem Maße der Heranziehung neuer Mitglieder galt. Neben den gewohnten Ferienoffizien, wie Schwimmen, Fechten, Ausflügen u. a. m., hatten wir das große Vergnügen, an einem Sommerfest unserer lb. Alten Herren teilzunehmen, das uns mit seiner wundervollen Dampferfahrt nach Potsdam führte, wo wir in angeregter Stimmung tanzend und plaudernd die Stunden verbrachten. Wie ,n aller Welt unseres großen Moses Mendelssohns gedacht wurde, so war er auch in unserem Kreise Gegenstand und Thema einer Feier. Daß die Aktivität unserer Confuchsia hierbei so stark zutage trat, ist eine erfreuliche Feststellung. Am 11. August nahmen wir an der Verfassungsfeier der Reichs- und Staatsregierung im Deutschen