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KC-Mitteilungen · 1929-12-01 · Heft 12 (1.12.1929) · p. Seite 104

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 12 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Volkes und Vaterlandes. Wer wirklich nachdenkt, der wird sich sagen müssen: Vor allen Dingen muß der Bürgerkrieg vom deutschen Volke abgewehrt werden. Das wäre wohl das schlimmste, nachdem wir Millionen bester Menschen im Kriege gegen die gemeinsamen Feinde verloren haben, daß Deutsche auf Deutsche schießen. Wir wollen politisch miteinander kämpfen mit geistigen Waffen, aber wer mit der rohen Gewalt irgend etwas anderes will im deutschen Vatcrlande, der versündigt sich an Volk und Vaterland. Wenn wir die Reden der Nationalsozialisten hören, wo ist denn das Programm der Nationalsozialisten? Um was kämpfen sie denn? Ich sehe in all den Kämpfen der Rechtsradikalen nur daß Eine, daß uns der innere Friede in Deutschland, der Geist wahrer Volksgemeinschaft, auf eine heillose Weise zerstört wird. Es sollte in Zeiten schwerer Not so sein, daß wir alle miteinander wissen, es gibt noch etwas Höheres, als die eigene Partei, daß das, was parteipolitisch die Menschen bedrängt, nicht so bedeutsam und stark ist, als das, was uns Deutsche alle eint und einen muß. Es ist unerträglich, daß es in Deutschland so wird, daß gewisse Kreise den, der die deutsche Politik anders sieht, überhaupt nicht mehr als Deutschen gelten lassen. Dieser Kampf der Reaktion in Deutschland wird vielfach, ja meistens, geführt mit antisemitischen Argumenten. Die Reaktion hat sich der Waffe des Antisemitismus bedient. .Als Jude regt mich der Antisemitismus nicht auf. Aber wir müssen weiter sehen. Wir erkennen es nicht, daß so, wie es jetzt geschieht, das deutsche Volk auseinandergerissen wird. Wen läßt man noch als Deutschen gelten? Die Juden, die Sozialisten, die Katholiken, die Freimaurer sollen keine Deutschen sein. Wer anders denkt, als die Völkischen, soll kein Deutscher sein. Wie klein und arm wäre Deutschland, wenn nur die Deutsche wären, die die Nationalsozialisten als Deutsche gelten lassen! Als wenn wir nicht schon genug Gegensätze in Deutschland hätten. Die Dinge werden so hingestellt, als ob wertvoll nur die wären, die der nordischen Rasse angebören. Wenn sich's nur um die handeln würde, die Juden sind, so wäre dieses Gerede ziemlich gleichgültig. Es geht aber um mehr. Deutschland ist rassemäßig nicht einheitlich zusammengesetzt. Wir haben starke andere Rassebestände in Deutschland. Ans soll jeder lieb und wert sein, der gewillt ist, seinem deutschen Vaterlande und Volk zu dienen und sich als Deutscher fühlt. So kann den 'Geist der alten Kameradschaft der nicht vergessen, der bei Langemark dabei war. Im Kriege haben wir gelernt, daß politische Gesinnung und politische Meinung, das Elternhaus oder religiöse Bekenntnis keine Qualitätsunterschiede unter den Soldaten bildeten. Wir haben uns gegenseitig gern gehabt und sind uns nahe gestanden im Geiste guter Kameradschaft. Es ist schwer, daran zu denken, daß uns dieser Geist nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Ihrbrauckt nicht traurig zu sein, wenn Ihr nicht teilnehmen könnt an der Feier derer, die so von haß erfüllt sind, daß sie die Kameradschaft vergessen in der Erinnerung. Man soll nicht stolz sein, man soll sich aber klar werden, daß es auch Kreise gibt, in denen man nicht verkehren kann. Darum sei gesagt, das, was uns not tut. ist innere Einheit, innerer Friede, der Geist -des gegenseitigen Sichverstehens. Ich erinnere an Scheffels Wort: Ein dreifach hoch dem Deutschen Reich, Mög's täglich neu sich stärken. Doch Gott behüt's vor Rassenhaß, Vor Klassenhaß. vor Menschenhaß And derlei Teufelswerken. GÜÜB] Afeademiidie und ailgem. Dacfmchten Wien — Kerlin. Es ist noch nicht allzu lange her, daß wir an dieser Stelle herbe Worte der Kritik an Oesterreichs Hochschulverhältnissen äußerten. Wenn wir heute wiederum auf dieses Thema kommen, so sind nicht wir es, die sich in Wiederholungen ergehen, denn die Ereignisse, die wir damals rügten, zeichnen sich selber durch endlose Wiederholung aus und beginnen schon fast zur Alltagserscheinung zu werden. Darum haben wir oas Unsere noch längst nicht getan, wenn wir im Juni zu der Wiener Hochschulkrise Stellung nahmen, und wollen heute nicht den Anschein wecken, als ob wir friedlich ruhten, wo wir sehr wach sein müssen. Man kann nicht einmal sagen, daß die Skandalzustände in gleicher Weise fortdauerten,- sie haben sich verändert, sie sind schlimmer geworden. Die Einstellung der Behörden hat sich in bedenklichem Maße noch mehr zu Angunsten der gehetzten jüdischen Minderheit verschoben. Rektor Imnitzer noch schien gewillt, den Exzedenten die gepanzerte Faust zu zeigen; Rektor Gleispach zeigt ihnen lieber das Lächeln eines verstehenden Herzens. Unter seiner Aegide darf es geschehen, daß wüste Hetzschriften in den Räumen der Universität verteilt werden, daß in den offiziellen Anschlagkästen Bohkottlisten aushängen, die von Beschimpfungen jüdischer und sonstwie rassisch verdächtiger Professoren strotzen. Noch mehr zu verurteilen rst das Verhalten des Dekans Dr. Hold, der im öffentlichen Hörsaal die „Deutsche Studentenschaft" — die soeben im gleichen Saal eine wütende Schlacht geliefert hatte — hochleben ließ, ihr seine Sympathie ausdrückte, und sie nur vor der „Ungeschicklichkeit" warnte, allzu laut ihre Iudenfeindschaft zu betonen. Man solle mit mehr Taktik für die völkische- Sache werben, die anscheind auch Sache des Dekans Hold ist. Wenn die Hakenkreuzstudenten in den Reihen der maßgebenden Universitätskreise mehr Holdgesinnte finden, dann ist es kein Wunder, wenn ihnen der Kamm bis zum schrankenlosesten Uebermut schwillt. Ein Wunder bleibt es freilich auch dann noch, daß „gebildete" Menschen es zuwegebringen, auf Andersdenkende mit Totschlägern und Stahlruten einzuhauen. Eine solche Kampfesart war man bisher nur beim Rowdytum gemeinster Sorte gewohnt. Wenn nunmehr auch die Akademiker vor solcher Roheit keine Gewissenshemmung mehr verspüren, dann haben sie den oft vermißten Anschluß an das „Volk" auf einem sehr anderen Wege gefunden, als ihn anständige Leute je erwogen hätten, dann haben sie ihr Akademikertum in die Gosse gezerrt und mit dem Pöbel der Straße Halbpart gemacht. Wenn aus solchen Kreisen der Ruf „Juden raus" erschallt, dann wird es keinen Juden geben, der das mit Betrübnis

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