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KC-Mitteilungen · 1929-12-01 · Heft 12 (1.12.1929) · p. Seite 103

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 12 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 Rechts dem deutschen Volke eine neue Verfassung geben. Die Nationalversammlung wurde gewählt, und alle, außer den Kommunisten und Spartakisten wünschten, daß der Nationalversammlung es gelingen möge, eine neue Verfassung zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, und die Geschichte wird es würdigen, daß die Republik das deutsche Volk und das höchste Gut des deutschen Volkes, die deutsche Einheit und den geschlossenen deutschen Staat gerettet hat. Warum also die Ablehnung so großer Zeile der deutschen Studentenschaft? Vielleicht findet man mancherlei Gründe. Der Kampf um die Frage Republik oder Monarchie, das ist in seinem tiefsten Sinne und in seinem letzten Kern nur der Streit, ob aristokratische Führerauslese oder ob demokratische besser ist. Alles andere ist nichtig. Wenn es so wäre, daß aristokratische Auslese besser ist als demokratische, dann wären wir alle miteinander verpflichtet, gegen die Demokratie und die Republik Stellung zu nehmen. In der Minute, in der ich mich davon überzeugt habe, würde ich aufhören, Demokrat zu sein. Denn darum nur handelt es sich, wie und auf welche Weise und mit welchen Staatsmethoden bessere Führer gewonnen werden. Führer braucht ein Volk. Ich habe die Ueberzeugung, daß die alte aristokratische deutsche Führerauslese in der Welt vor dem Kriege zu klein und zu eng geworden ist. Man hat die Menschen für führende Stellen aus einem zu kleinen Kreise ausgewählt, während unsere Feinde ihre Auswahl getroffen haben aus einem viel weiteren Kreise, nicht gefragt haben, wie ist er geboren, sondern nur: Ist er tüchtig und brauchbar? Ein gut Teil Aeberlegcnheit fremdländischer Diplomatie über die deutsche erklärt sich aus der freien demokratischen Führerauswahl. die jene anderen schon vor dem Kriege gehabt haben. Nun fühlte man im alten Staate In den Jahrzehnten vor dem Kriege sehr deutlich, daß der Personenkreis für rein aristokratische Führerauswahl naturgemäß klein war. Man mußte andere Schichten des Volkes wenigstens hineinlassen in den Kreis der besonders privilegierten. Die Söhne von Männern voll stolzer Bürgerlichkeit wurden im Wesen über ganz bestimmte Korporationen der aristokratischen Schicht außerordentlich ähnlich. Ich will nicht hart werden, aber ich will es aussprechen, vielleicht ist es gefährlicher, äußerlich Aristokrat zu werden, als als Aristokrat geboren zu sein. Ich habe wundervolle Menschen kennen gelernt unter den deutschen Junkern. Aber ich habe gelegentlich fürchterliche Menschen kennen gelernt, die den Junker markieren, die es nicht wären, die aber so auftreten wollten, als ob sie seit Urzeiten dazu gehören würden, obwohl der Vater noch ein ehrsamer, braver Handwerker war, oder ein Großkaufmann, der durch seine Züchtigkeit in die Hohe gekommen war. Vater voll des Geistes alter Bürgerlichkeit, Sohn diesen Geist und Bürgerlichkeit ablehnend, nur erfüllt von dem Streben, um jeden Preis der privilegierten vornehmen Schicht zugezählt zu werden. Da kam der Zusammenbruch. Es kam der neue Staat, und Menschen aus ganz anderen Schichten, sogar Menschen aus der Arbeiterschaft wurden zur Führung zugelassen. Menschen aus dieser Arbeiterschaft haben sich wundervoll bewährt. Denken wir an den Reichspräsidenten Ebert. Darüber sind wir in diesen Kreisen alle klar, darüber sind sich auch die Gerechten und Klugen der Rechten klar, daß die Geschichte einst sagen wird: Das deutsche Volk hat seinen ersten beiden Reichspräsidenten, dem Arbeiter Friedrich Ebert und dem Generalfeldmarschall von Hindenburg unendlich viel zu verdanken! Eine neue Schicht war zugelassen, und dieses Privilegium der alten Schicht und der von dieser geduldeten war mehr oder weniger bedroht. Daraus erklärt sich ein großer Teil des Widerstandes, der in der deutschen Studentenschaft zu beobachten ist. Wenn sie nur ein ftciit wenig hinaussehen über ihre engsten Interessen, wird keiner frei von einem unerträglichen nationalen Schmerze. Wir wissen, wir sind niederträchtig behandelt worden. Das Deutsche Reich ist auseinandergerisfen durch den polnischen Korridor, wertvolles deutsches Gut ist verloren, deutsches Land, deutsche Menschen, und alles das ist geschehen unter schwerster Verletzung der Zusagen, die man zu dem Waffenstillstandsvertrag gemacht hatte. Den Waffenstillstand haben wir geflossen auf Grund der Zusage, daß ein Frieden abgeschlossen würde auf Grundlage der 14 Punkte Wilsons. Der Friede selber aber hat diese 14 Punkte Wilsons in keiner Weise gehalten. Der Schmerz darüber ist in uns. Die Republik konnte ja nicht stark, nicht stolz sich wehren gegen dieses bittere Unrecht; denn wir waren ja machtlos. Und diesen jungen Menschen erscheint nun die Republik gleichbedeutend mit nationaler Schwäche. Sie begreifen nicht, daß, wenn heute ein Bismarck deutscher Außenminister wäre, er auch keine andere Außenpolitik treiben könnte, als die, die ein Wirth und Rathenau eingeleitet, die Stresemann fortgesetzt hat und die ein andererweiter führen wird. Es gibt keine andere Außenpolitik im Zustand unserer Schwäche. Wir sind trotz dieser Schwäche aus der Periode der Diktatur herausgekommen und sind wieder geworden Subjekte der Außenpolitik, ein Volk, mit dem trotz aller Schwäche und trotz allem die Welt außerhalb Deutschlands wieder zu rechnen hat. Aber die Jugend begreift es zum Zeile nicht. Und wenn von anderen die Dinge so dargestellt werden, als ob eine stolze, aufrechte Außenpolitik möglich sei, dann jubelt sie denen zu, die das sagen, ohne sich zu überlegen, ob der, oer so spricht, in der Lage wäre, eine andere Außenpolitik zu führen. Ein anderer Teil der deutschen Jugend der schaut nicht nur nach rückwärts, der schaut auch vorwärts. Das ist der Teil deutscher Jugend, der jetzt Gefallen findet an den Nationalsozralisten uno meint, daß durch eine Diktatur, durch eine völkische Diktatur, dem deutschen Volke in seiner Not geholfen werden kann. Ich will im Rahmen dieser Betrachtung nichts darüber sagen, daß es eine wirkliche Befriedigung nationalen Empfindens ist, nun gerade dem Mann zuzujubeln, der die Deutschen in Tirol mißhandelt, der so brutal ist» sie ihrer Sprache berauben zu wollen und ihnen das Recht nimmt, auf ihre eigene deutsche Kultur. Dem deutschen Volke ist mit einer Diktatur nicht zu helfen. Bisher haben wir Erfolge von Diktaturversuchen nur in Ländern gesehen, in denen die Zahl der Analphabeten außerordentlich groß ist, aber in Deutschland ist dieie Zahl außerordentlich gering und die Zahl der denkenden Menschen außerordentlich groß. Die organisierten Kräfte, die keine Diktatur wollen, sind starker, als diejenigen, die irgendwie mit dem Gedanken liebäugeln, in Deutschland eine solche aufzurichten. Das wäre der deutsche Bürgerkrieg. Könnte ich nun den rechtsgerichteten Studenten, die mit dem Gedanken der Diktatur spielen, irgend einen Vorwurf machen, dann ist es nicht der, daß sie ihr Vaterland nicht lieben. So armselig und klein wollen wir nie werden, daß wir einem anderen die Vaterlandsliebe absprechen. Aber wir müssen ihnen sagen, daß ihre Vaterlandsliebe sie verpflichten sollte, ernster nächzu denken über die Angelegenheiten des deutschen

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